RAUMFAHRT - 25. Juni 2008

Grundlagenforschung
DLR nimmt Kurzarm-Zentrifuge in Betrieb

Im Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin wurde am 19. Juni eine neue Kurzarm-Zentrifuge (Short Arm Human Centrifuge) im Auftrag der europäischen Raumfahrtagentur ESA in betrieb genommen. Mit der Anlage, mit der bis zu zwei Menschen gleichzeitig erhöhter Schwerkraft ausgesetzt werden können, sollen Behandlungsmethoden für die bemannte Raumfahrt entwickelt werden.


Die Kurzarm-Humanzentrifuge SAHC (Short Arm Human Centrifuge) wurde am
19. Juni 2008 am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Betrieb genommen.

© DLR

Im Mittelpunkt stehen dabei Untersuchungen zur Leistungsfähigkeit von Astronauten im Erdorbit. Darüber hinaus können klinische Forschungsstudien im Bereich der Humanphysiologie durchgeführt werden. Die Zentrifuge ermöglicht dabei gezielte und standardisierte Analysen im Bereich des Knochen- und Muskelstoffwechsels sowie des Herzkreislaussystems. Von zusätzlichem Interesse ist der Einsatz der neuen Anlage als therapeutisches und diagnostisches Instrument. Weltweit existieren nur zwei Exemplare dieser Zentrifuge, eine baugleiche Einrichtung befindet sich in Toulouse, beim französischen Partner EADS. Die rund 2,9 Tonnen schwere und mit zwei Sitzen und wie Liegen ausgestattete Experimentiereinrichtung kann bei 45 Umdrehungen in der Minute eine maximale Erhöhung der Schwerkraft von 6,4 g erzeugen, also mehr als das Sechsfache des Körpergewichts eines Probanden. Die körperlichen Belastungen, denen Astronauten unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit ausgesetzt sind, wie Knochen- und Muskelabbau sowie die Auswirkungen auf das Kreislaufsystem, können auch krankheitsbedingt auf der Erde auftreten.


Bis zu zwei Personen können die Zentrifuge gleichzeitig nutzen.
© DLR

So gibt es bereits entsprechende Anfragen auf Kooperation. Bei der feierlichen Eröffnung in Köln-Porz am DLR-Standort konnten sich die versammelten Gäste ein Bild von der Arbeit der neuen Zentrifuge machen. Leider war mitfahren nicht erlaubt, was sicherlich sehr spannend gewesen wäre. Dafür gab es interessante Erläuterungen rund um das Thema. Diese neue Kurzarm-Zentrifuge ist ein gutes Beispiel für Grundlagenforschung, welche nicht nur abstrakten Nutzen abwirft, sondern konkrete Verbesserungen für eine Vielzahl von Menschen zur Folge hat.

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