COSMOKÖLNISTISCH - 11. Februar 2009
Alltags-Killer Karneval
Karneval in Köln. Einwohnende fiebern
dieser 5. Jahreszeit teils entgegen, teils wünschen sie sich ein schwarzes
Loch in der Zeit, dass dieses Ereignis einfach verschluckt. So oder so ist
es ein einschneidendes Erlebnis im Jahr, an dem niemand so leicht vorbei kommt.
Ich selbst bin in den vergangenen Jahren, in denen ich hier lebe, dem Karneval
mit gemischten Gefühlen entgegen getreten. Fast hat er mir manchmal Angst
gemacht und ich bin Hals über Kopf geflüchtet. Mitten durch die
verkleideten Massen, die aus dem Hauptbahnhof strömten.
Ich kenne den Karneval als „Fasching“, der ausschließlich
in Turnhallen, Schulen und Gemeinschaftshäusern stattfindet. Und auch
dort läuft das ganze recht zivilisiert ab. Mal abgesehen von denen, die
sich nach den Sitzungen noch sinnlos betrinken. Aber dieser Kölner Karneval
ist ein ziviles Natur Ereignis! Während acht langer Wochen, sieht man
mehr und mehr verkleidete, erwachsene Menschen. Anfangs sitzen sie nur ruhig
in der Bahn. Zu späteren Stunden sind sie auch schon mal heiterer. Aber
was sich in den Tagen zwischen dem „Weiber-Fastnacht“ und dem
Ascher Mittwoch abspielt, muss man selbst erlebt haben, um es als zivilisierter
Deutscher glauben zu können. Schon am frühen morgen dröhnt
von überall her die eindeutige Musik. Von den Paveiern, den Bläck
Föös, den Höhnern, den Räubern und wie sie sonst noch
alle heißen. Die „Jecken“ bevölkern mehr und mehr die
gesamte Stadt und bald fallen die unverkleideten Passanten mehr auf, als die
Verkleideten. Beim Bäcker steht man neben Clowns und riesigen Bären.
Männer verkleidet als Strip-Tänzerinnen sitzen mir in der Bahn gegenüber
und ich komme aus dem Lachen nicht mehr heraus. Alle sind locker und gelöst.
Fast jeder hält ein alkoholisches Getränk in der Hand, aber auch
die die (noch) nüchtern sind, haben ein Lächeln auf den Lippen und
man fühlt sich bereits hier, wie auf einer großen Party. Eine ganze
Stadt im Ausnahmezustand. 1 2