COSMOKÖLNISTISCH - 11. März 2009
Alltags-Killer Karneval
Auf den großen Plätzen geht es
aber erst richtig los. Hier werden Singles schnell zu Pärchen und Gebundene
vergessen mal schnell den Liebsten zuhause. Fast könnte man meinen, böse
Geister wären in die Feiernden gefahren. Anstand und Moral sind vergessen.
Man hat das Gefühl alles hat nur darauf gewartet, sich endlich einmal
fallen zu lassen. Kein Druck vom Chef, niemand kümmert sich um Abgabefristen.
Eine Bevölkerung frei vom alltäglichen Muss.
Das Erstaunliche daran ist, dass man zu keiner anderen Zeit so freundliche,
herzliche Menschen in Deutschland findet. Das Volk hält hier zusammen.
Jeder ist irgendwie ein Bekannter und nicht jemand der mir fremd ist. Es ist,
als sei die Blase des Alltags, die sich um jeden herum befindet, geplatzt.
Kennt Ihr das? Wenn man sonst durch die Straßen läuft ist jeder
isoliert. Ich fühle mich da manchmal wie in einer Blase. Die ist an Karneval
plötzlich weg.
Aber eben so schnell wie sie weg ist, ist sie auch wieder da. Die Blase. Denn
bereits am Aschermittwoch ist mir jeder wieder fremd, den ich nicht kenne.
Wenn mir jemand in der Bahn zu nahe kommt erntet der von mir einen bösen
Blick und ich gehe schnell einen Schritt zur Seite. Das Lächeln im Gesicht
der Menschen ist verschwunden, die Freude schien nie da gewesen zu sein. Jetzt
ist der Himmel wieder sichtlich grau, alles ärgert mich. Der Alltag hat
uns wieder.
Zu dieser Zeit merke ich ganz deutlich, was das eigentlich bedeutet Alltag.
Welche Macht er über uns hat und wie traurig es ist, wenn wir nichts
anderes mehr kennen als den Alltag. Es wird mir bewusst, dass Karneval nicht
nur was für Spießer ist, die es nur einmal im Jahr schaffen Spaß
zu haben und sonst zum Lachen in den Keller gehen. Es ist einfach eine Volks-Gehirnwäsche,
eine wundervolle. Denn was schafft es sonst, einer ganzen Stadt den Alltag
zu nehmen. 1
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