COSMOKÖLNISTISCH - 02. September 2009
Der Duft nach Winter
Schon seit etwas längerer Zeit merken
wir, wie die Tage kürzer werden, die Nächte kälter. Auch die
heißen Tage, die uns immer wieder überraschen, können uns
nicht wirklich davon überzeugen, dass der Sommer noch einmal zurück
kommt. All unsere Hoffnung auf einen tollen Sommer, der uns über Monate
mit Temperaturen über 30° versorgt, ohne Gewitter und zu viel Regen,
sind mal wieder dahin. Schon steht die kalte Jahreszeit wieder vor der Tür
und die meisten werden sich schütteln, allein bei dem Gedanken daran,
wieder lange Pullis und Jacken tragen zu müssen.
Ich mag diesen Geruch von Winter. Wenn man abends im Bett liegt und noch einmal
die Nase aus dem Fenster steckt und diesen untrüglichen Duft von Gemütlichkeit
riechen kann. Dann habe ich das Gefühl von Ruhe und Einkehr. Kindheitserinnerungen
steigen in mir auf. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Familie zusammen
in der Küche, die Lichter werden schon um 16 Uhr angeschaltet, Mama kocht
mir die erste heiße Schokolade und später gibt es Linseneintopf.
Alles rückt irgendwie näher zusammen, nimmt sich mehr Zeit.
Sommer ist unglaublich laut. Die Sonne, die auch durch die kleinsten Ritzen
dringt und einen niemals in Ruhe lässt. So viele Menschen auf der Straße,
die einen manchmal erst spät in der Nacht schlafen lassen. All die Bauarbeiter
die bereits um 7 Uhr früh beginnen den Presslufthammer zu geißeln.
Das Leben findet draußen statt. Ich genieße das sehr aber ich
bin jedes Jahr wieder froh, wenn es kälter wird. Dann ist endlich Ruhe!
Zuhause bleiben macht wieder Spaß, man fühlt sich nicht mehr schuldig,
wenn man etwas länger geschlafen hat.
Man kann sagen, dass die Zeit des Denkens beginnt. Man besinnt sich auf das
was war und auf das was noch kommen wird. Man hetzt nicht mehr von A nach
B sondern nimmt sich auch mal wieder Zeit. Jedenfalls sollte man das.
Innere Einkehr, das bedeutet zwar körperliche Ruhe aber das kann für
den Geist auch zur Zerreissprobe werden. Nicht umsonst steigen die Zahlen
der Depressiven im Winter auf ein Vielfaches an. Für den einen beginnt
die gemütliche Jahreszeit und für einen anderen beginnt die Jahreszeit
des Jammers und des Kummers. All das, wovor man im Sommer weglaufen konnte,
holt einen nun ein. Und das ist nicht einfach. Die unliebsamen Gedanken, die
man wieder und wieder verdrängt hat, halten nun viel leichter Einzug
in unseren Kopf. Wahrscheinlich lassen sich Gedanken wirklich von Sonnenlicht
steuern? Wenn die Sonne scheint, denkt man viel seltener an die eher schlechten
Dinge in seinem Leben. Wenn es dagegen oft dunkel ist, spuken sie viel öfter
durch unser Bewusstsein und ärgern uns. Bei manchen schaffen sie es sogar
sie zu beherrschen. 1 2
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