TEST - 06. Januar 2010

Der Sony E-Book Reader
Digitale Bücher für Unterwegs – top oder flop ?

Seit dem 11.März 2009 vertreibt Sony nun auch in Deutschland seine Erfolgskreation aus den USA – ein digitales Buch, das hunderte bis tausende elektronische Bücher speichert und den Leser in die Zukunft der Literatur einführen soll. Ob sich diese Investition lohnt oder nicht, haben wir uns gefragt und uns die Touch-Screen-Version PRS-600 einmal angeschaut.

WAS IST EIN READER ?
Das Prinzip: Immer und überall die liebsten Bücher bei sich haben und lesen können, wann und wo man möchte – ohne lästige, eventuell dicke Wälzer mit sich rumzuschleppen.

Der Reader sieht aus wie ein ziemlich großes, flaches Navigationsgerät, welches man in Touch-Screen oder Non-Touch-Version mit einem 6 Zoll-Monitor erwerben kann. Die verfügbaren Farben sind Silber oder Schwarz. Dazu gibt es jede Menge Zubehör. Das Wesentliche jedoch: Ausgestattet mit einem USB-Anschluss für den Computer, einem AUX-Anschluss für Kopfhörer (für die musikalische Untermalung beim Lesen), einer DC-Buchse und zusätzlichen Steckplätzen für SD-Karten und somit mehr Speicherplatz soll der Reader dem Kunden alles bieten, was er sich zum Lesen wünschen kann.

Der Reader kann also Musik, die Bücher und auch Bilder tragen – fast wie eine mobile Festplatte. Wofür die Bilder jedoch genutzt werden können, blieb uns bis zum Schluss ein Rätsel.

Über den Computer und das Internet wird das Gerät mit digitalen Büchern gespeist, die dann wie bei einem richtigen Buch unterwegs und überall geschmökert werden können.

GRAFIK
Die Technologie, die hinter dem Display steckt, soll laut Sony innovativ und augenschonend sein und stundenlanges Lesen – selbst bei direkter Sonneneinstrahlung – ermöglichen. Dazu sei zu sagen, dass der Monitor nicht hintergrundbeleuchtet und im Dunkeln nichts mehr zu sehen ist. Das fanden wir etwas schade, weil man dafür eine Lampe im Dunkeln braucht, die Sony natürlich als Zubehör, in einem netten Leder-Etui integriert, für ungefähr 60,00€ vertreibt.

Der Monitor verhält sich wie ein Spiegel, wenn er direkt unter einer Lichtquelle genutzt wird, was wir als sehr störend empfunden haben.
Das Blättern der digitalen Seiten funktioniert per Fingerbewegung. Schnell und einfach. Dennoch blinkt der Monitor jedes Mal schwarz auf, während er die neue Seite lädt. Das ging uns nach einer Weile ziemlich auf den Zeiger, ist aber nicht weiter zu vermeiden. Dafür kann man die Schriftgröße genau der Sehstärke anpassen, was das Lesen erheblich erleichtert.

In Zeiten der bunten, portablen Monitore jeglicher Art ist es ziemlich ungewöhnlich, dass das ganze Interieur des Reader in schwarz-weiß gehalten ist – ob das auch augenschonend sein soll, ist unklar geblieben. Schade jedoch für die schönen Bilder, die man sich auf das Gerät laden kann. Schöner Pluspunkt für uns: Die digitalen Bücher sind komplett mit Cover und allen Seiten, die man auch am Anfang eines jeden Buches findet, vollständig zum anschauen da. Nur blöd, dass da nichts bunt ist.

 


® SONY

 

DIE STEUERUNG
Der Umgang mit dem Reader ist nicht sonderlich kompliziert. Große Buttons zum Drauf-Drücken mit Stylus oder Finger und ein nicht allzu komplexes Menü bringen den Leser schnell in Stimmung. Nur noch nebenbei ein bisschen Musik anspielen und der Spaß kann losgehen.

Der Bildschirm selbst lässt sich drehen, sodass man den Reader auch quer und nicht nur hochkant halten kann. Wer sich aber gerne an einem guten Buch festhält beim Lesen, wird hier ständig im Hinterkopf haben, was für ein filigranes, teures Gerät er in den Händen hält und so konnten wir uns nicht wirklich gehen lassen beim Lesen – trotz des guten Buches.

Ausgestattet mit einer virtuellen Tastatur ermöglicht der Reader dem Nutzer das Markieren bestimmter Textstellen, Einfügen von Notizen und Suchen nach Wörtern und Büchern. Im Englischen kann man sogar im integrierten Wörterbuch nach der Bedeutung von Begriffen suchen, die einem spontan nicht einleuchten wollen.

Einmal bei Sony auf der Internet-Seite registriert und das mitgelieferte Programm zum Aufspielen der Bücher installiert, funktioniert das Synchronisieren durch ein einfaches Anschließen des Gerätes per USB. Downloads bieten inzwischen zahlreiche Online-Büchereien sowohl kostenlos, als auch kostenpflichtig und in einer mannigfaltigen Auswahl an.

MEINE MEINUNG
Der Sony Reader ist noch in der Entwicklung. Schon jetzt gibt es immer neuere Geräte, die zu Jedem passen sollen. Deswegen sei es ihm verziehen, dass der Touch-Reader unbunt, nicht so augenschonend wie angekündigt und mit 300 Euro maßlos überteuert ist. Allein für das Zubehör, das man sich fast zulegen muss, um das gute Ding zu schützen und all seine Möglichkeiten auszuschöpfen, kann man ein kleines Vermögen ausgeben.

Dafür hat man aber auch etwas in der Hand: Praktisch ist das gute Gerät nämlich wirklich. Ständig die liebsten Bücher dabei zu haben, macht Spaß und hilft zum Beispiel im Urlaub: Die ganzen dicken Wälzer mitzunehmen hat man sich dadurch gespart.
Doch wer den Geruch von neuen oder alten Büchern mag, das Gefühl des Papiers in den Händen genießt oder gerne das Buch knickt, faltet und einfach „genüsslich durchliest“, wird sich erst in einem uns scheinbar länger dauernden Prozess an die neue Technik gewöhnen müssen.

FAZIT
Zum Schluss kommt der Anschaffungspreis. Für 299,00€ fühlt man sich schon fast verpflichtet, das Gerät voll auszunutzen und ständig bei sich zu führen. Wenn man sich für den Sony Reader entscheidet, hat man sich das also gut überlegt und auch seinen Spaß damit.

Deswegen ist es wie so oft: Wer sich auf die neue Technik einlassen kann, wird es (mindestens in Teilen) genießen können. Es ist jedoch kein Geschenk oder eine Anschaffung für zwischendurch – sonst bleibt der Reader ungenutzt auf der Strecke. Celina Jaekel

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