FACETTENREICH
Cosmokölnistisch
SELBSTJUSTIZ
Vor einiger Zeit ging eine Entführung der besonderen
Art durch die Presse: Eine Rentnergang hatte einen Mann in im Keller eingesperrt,
da dieser Ersparnisse von 2 Millionen Euro der vier Rentner verspekuliert
hatte. Im Glauben an eine gute Geldanlage, hatten die fünf Senioren
den Finanzberater James A. das Geld anvertraut, in der Hoffnung auf eine
gute Rendite. Doch die blieb aus. Ebenso die Rückzahlung des Geldes.
Was besagter James A. mit dem Geld angestellt hatte bleibt ein Geheimnis.
Reine Mutmaßung wäre, dass dieser das Geld niemals gewinnbringend
angelegt hatte, sondern sich das Geld selbst zu Nutzen gemacht hatte.
Das muss natürlich nicht sein, wäre in dieser Branche aber auch
keine Seltenheit. Wir erinnern uns an das letzte Jahr, in dem die Finanzkrise
ihren Höhepunkt hatte und wir ständig mit Horrornachrichten
überrascht wurden. So hatte beispielsweise der Chef der Dresdner
Bank Jentzsch seinen Mitarbeitern Boni in Höhe von 400 Millionen
versprochen. Das Unternehmen ging allerdings kurze Zeit später Pleite
und musste vom Staat (also vom Steuerzahler) unterstützt werden.
Die Boni sollten aber trotzdem gezahlt werden, da sie ja vertraglich geregelt
waren. Und wäre das nicht schon Hohn genug, ließ man Jentzsch
zwar nicht im Amt, zahlte diesem Armleuchter aber satte 8 Millionen Euro
Ablöse.
Um diesen Fall direkt zu vergleichen, wurde eine 41jährige Frau nach
18 Jahren Beschäftigung entlassen, weil sie ein Stück Teewurst
an sich nahm.
Ich denke die Fakten sprechen für sich.
Wären das alles Einzelfälle, könnte man es mit einem Stirnrunzeln
und Kopfschütteln abtun. Aber es sind keine Einzellfälle. Es
passiert dauernd! Solche Ungerechtigkeiten lässt niemand einfach
so über sich ergehen.
Doch wir tun es. Denn im Fall der Finanzkrise, die verursacht wurde durch
größenwahnsinnige Geldgeier die noch die Haut ihrer eigenen
Mutter bedenkenlos verkaufen würden, sind wir die Leidtragenden.
Der Steuerzahler, der mehr und mehr für immer weniger Geld arbeiten
muss, damit wieder gerade gebügelt werden kann was andere gnadenlos
verrissen haben.
Ein Staat, in dem so etwas möglich ist, schürt Wut! Zorn! Ein
Rechtssystem, in dem alle Menschen gleich behandelt werden sollen, es
aber scheinbar gleichere Menschen gibt, kann nicht mehr ernst genommen
werden! Und wenn man dem Staat nicht mehr vertrauen kann, glaubt man auch
nicht mehr an ein gerechtes Strafmaß für Verbrecher. Wurde
aber ein Verbrechen begangen, dann sind generell die Opfer diejenigen,
die massiv geschädigt wurden und die Vergeltung verlangen. Mit Recht!
Ist diese Vergeltung aber von keinem Gericht zu erwarten, wird man zur
Selbstjustiz getrieben! Denn ein geschädigtes Gemüt, das Opfer
einer Straftat wurde, leidet womöglich sein gesamtes Leben unter
dieser Tat. Wird nun auch noch vom Gericht zu Gunsten des Täters
entschieden, kann ein geschädigtes Gemüt sich kaum noch von
den Folgen einer Tat erholen. Denn ihm ist Unrecht geschehen und es ist
nicht annähernd wieder gut gemacht worden.
Der erste Artikel des Grundgesetzes lautet: Die Würde des Menschen
ist unantastbar. Was geschieht aber mit der Menschenwürde, wenn sie
verhöhnt wird?
Selbstjustiz ist also eine logische Folgerung aus unserem infamen Rechtssystem!
Im Falle der Rentnergang wollten sich betrogene Bürger etwas von
ihrem Recht zurück erobern. Wollten sich vielleicht wieder im Spiegel
gegenüber treten können ohne sich betrogen und ausgenutzt zu
fühlen. Denn im Falle eines Prozesses gegen den Finanzberater hätten
sie schwerlich Recht erfahren.
Das Fazit dieser Tat ist allerdings, dass der eigentliche Täter zum
jammernden Opfer geworden ist und die Senioren Strafen zwischen 12 Monaten
und 6 Jahren erhalten haben.
Wirkliche Gerechtigkeit wird bestraft, was im Umkehrschluss bedeuten muss,
dass die Ungerechtigkeit siegt.
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