FACETTENREICH
Cosmokölnistisch
LEIDEN
Das Leiden ist sinnlos
Das Leben bedeutet Leiden
Das Leben ist sinnlos
Ein harter Syllogismus! Die Griechen hatten dieses Credo in der Antike.
Alles Leben wurde auf den Tod ausgerichtet. Denn der Tod versprach das,
was auf Erden unmöglich war: Eins sein mit der Seele. Heute gelten
andere Maßstäbe. Jeder wünscht sich ewig zu Leben, wenn
man ewige Jugend bewerkstelligen könnte. Aber was ist mit dem Verhältnis
zum Leiden geworden? Was denken die Menschen heute über ihre Leidensfähigkeit?
Meines Erachtens ist Leiden heute nicht mehr on vogue. Denn wer möchte
es schon mit einem leidenden Menschen zu tun haben? Wie verhält man
sich denn überhaupt einem leidenden Menschen gegenüber? Ich
denke wir haben das Leiden und auch das Trösten verlernt. In dieser
Zeit in der sich jeder selbst der Nächste sein muss, bleibt anscheinend
keine Zeit mehr sich um seine Mitmenschen zu kümmern. Die, die es
augenscheinlich doch tun, machen es aus beruflichen Perspektiven. Das
sind Menschen die entweder ein Helfersyndrom besitzen oder Menschen, die
das Hilfebedürfnis ihrer Mitmenschen zu marktwirtschaftlichen Zwecken
ausnutzen. Diejenigen, die sich „freiwillig“ um das Wohl ihrer
Mitmenschen sorgen, werden dann auch schon als Sonderlinge bezeichnet.
Wozu sollte das auch
gut sein? Es ist doch jeder für sich selbst und sein Wohl verantwortlich!
Welchem Umstand haben wir diese gesellschaftliche Verhaltensweise zu verdanken?
Ich denke, dass nicht mehr nach dem menschlichen Geist verlangt wird.
Das es nicht erwünscht wird, dass sich das Volk eigene Gedanken macht.
Konsum, dass ist derzeit das Einzige, was von der Gesellschaft gefordert
wird.
Zivilcourage wird in unseren Zeiten mit dem Tod bestraft (Münchner
wird von 2 Jugendlichen totgeschlagen) und Vertrauen bezahlen nicht wenige
mit ihren Ersparnissen, die sie bei dem Finanzmann ihres Vertrauens angelegt
haben.
Auch im Job sind Emotionen nur gern gesehen solange es Positive sind.
In den letzten 12 Jahren ist die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen
am Arbeitsplatz um 80% gestiegen. In Deutschland ist die Zahl der Fehltage
durch psychische Erkrankungen laut Fachleuten dennoch erstaunlich niedrig.
Es wird vermutet, dass viele krank zur Arbeit gehen um ihren Job nicht
zu verlieren.
Der Arbeitsmarkt ist zusehends geprägt, durch steigenden Stress der
Arbeiter und eine radikal veränderte und beschleunigte Arbeitswelt.
Um nicht unter die Räder zu kommen, stellen wohl viele Menschen in
den Standby-Modus. Ich meine damit, eine Art Zustand der sie nur noch
das unmittelbar Wichtige wahrnehmen lässt. Arbeit, Essen, schlafen,
Dach überm Kopf, Arbeit. Für Emotionen bleibt da keine Zeit,
wo kommen wir denn da hin?!
Mich erinnert das Ganze sehr an „Momo“ von Michael Ende. Alles
wird beherrscht von den Zeitdieben. Die Welt wird grau und farblos und
die Menschen hetzen nur noch ihrer nicht vorhandenen Zeit hinter her.
Die Leute, die sich noch nicht den Zeitdieben verschrieben haben, werden
als Tagediebe beschimpft, als Nichtsnutze. Es gibt einfach keine Zeit
mehr, für die eigentlich wichtigen Dinge im Leben. Vertrauen, Zuneigung,
Freundschaft und wirkliche Liebe.
Die Folgen von unserer gefühlskalten Gesellschaft, ist eine zunehmende
Verrohung vor allem der Jugend. Gewalt in allen Bereichen ist da vorherrschend.
Sei es sexuelle Gewalt, sprachliche Gewalt oder Gewalt im Umgang mit anderen
Jugendlichen. Man muss nur mal auf die Umgangssprache im allgemeinen Fernsehen
achten. Vergleicht man die Alltagssprache dort, mit der vor noch 15 Jahren
kann man den Unterschied bereits erkennen. Filme, Lieder, Bands und selbst
Bücher wären nicht veröffentlicht worden, mit dem gleichen
Vokabular von heute. Heute stehen Interpreten mit Texten, die von angewandter
Gewalt handeln, auf Platz eins der Chartsliste. Um auf einer Gesamtschule
cool zu sein, hat man schon mal ein selbstgedrehtes video auf dem Handy,
wie die Kumpels jemanden verprügeln oder beklauen. Cool scheint nur
noch der zu sein, der möglichst skrupellos gegenüber Mitmenschen
ist.
Es ist ein Teufelskreis der sich da auftut! Eltern haben nur mehr Zeit
für die Arbeit, um sich und ihre Kinder am Leben zu erhalten. Für
ihre Kindererziehung bleibt weder Zeit noch Geld. Kinder werden also zunehmend
sich selbst überlassen und werden zu dem, was ihr Umfeld aus ihnen
macht.
Von der Politik ist kaum Hilfe zu erwarten, denn die kümmert sich
um die Sanierung der europäischen Marktwirtschaft und der Wiederherstellung
einer politischen Führung unseres Landes. Das einstige Land der Dichter
und Denker scheint im Sumpf einer Gesellschaft zu versinken die gierig
ist nach Macht, Geld und Gewalt. Gedankliche Freiheit, Aufklärung
oder der Sinn des Seienden zählt schon lange nicht mehr zu den Interessen
unseres Volkes. Nur noch Wenige beschäftigen sich mit diesen Themen.
Legen wir unsere Zukunft in ihre Hände...
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