29.09.2010 | JAHRGANG 20 | Nr. 05

Mit seinem neuen Buch wagt der Physiker Stephen Hawking einen Blick hinter die Geheimnisse des Seins und liefert einen Abriss über den Stand der modernen Physik.

Eine neue Erklärung des Universums. Dieser elementaren Frage widmen sich Stephen Hawking und Leonard Mlodinow in ihrem neuen Buch. Die beiden Wissenschaftler stellen einfache Fragen und suchen nach Antworten. Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts? Warum existieren wir? Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes? Das Resultat dieser Suche nach Antworten ist keine wissenschaftliche Abhandlung, in kompliziertem Fachchinesisch. Dieses Buch ist eine engagierte Streitschrift, die emotional verfasst ist Man spürt bei jedem Wort den Spaß und die Freude, welche die beiden Wissenschaftler mit diesem Thema verbindet, welches sie schon lange Zeit begleitet. Die beiden Autoren entführen den Leser auf eine Reise, welche von der bizarren Welt der Quantenmechanik hin zum Kosmos führt. Sie erklären ihre Sicher der Welt in mikro- und makro-kosmologischer Betrachtungsweise und richten sich dabei an den interessierten Laien, der nur geringe Vorkenntnisse und ein offenes Wesen braucht, um den Autoren folgen zu können. Dabei verfügen die beiden Autoren über genügend Fachwissen, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen. So ist Leonard Mlodinow, Wissenschaftler im Bereich der Quantenmechanik und derzeit am California Institute of Technology als Gastdozent tätig. Zudem hat er einige Drehbücher für "Star Trek: The Next Generation" verfasst. Was dieses Buch auszeichnet und von ähnlichen Büchern abhebt ist der Humor der beiden Autoren, welcher für wissenschaftliche Bücher eher selten ist. So stellen die beiden Autoren bereits am Anfang des Buches stellen die Autoren fest, dass die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem nicht "42" ist, was den Laien nicht verwundern dürfte, aber Douglas-Adams-Fans ein Lächeln auf das Gesicht zaubert.

Für große Kontoversen hat dieses Buch bereits im Vorfeld gesorgt. Besonders die Kirche hat schon vor der Veröffentlichung ihrer Bestürzung darüber Ausdruck verliehen, dass Hawking und Mlodinow in ihren Theorien behaupten, dass es nicht zwangsläufig eines Gottes bedarf, um ein Universum zu erschaffen. Wobei die beiden nicht behaupten, es gebe keinen Gott, lediglich, dass man niemanden braucht, der den ersten Dominostein anschubst, damit der Rest an seinen Platz fällt. Diese Meinung ist jedoch auch unter Physikern nicht unumstritten. Der Aufbau des Buches ist so gestaltet, dass der Leser nicht sofort mit dem neuesten Stand der Physik konfrontiert wird, sondern langsam an die Materie herangeführt wird. So ist dieses Buch auch eine kurze Geschichte der Physik und deren Gesetze. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen, die sich im Laufe der Jahrhunderte verdient um die Wissenschaft gemacht haben und einfache Frage gestellt haben und nach den Antworten suchten. Vom Glauben der Urvölker in Afrika, über Newton und Einstein bis hin zur M-Theorie. Jene M-Theorie, welche im Augenblick die beste Kandidaten ist für die so M-Theorie derzeit noch nicht vollständig bewiesen werden kann. Unterstützt werden die Aussagen von Hawking und Mlodinow durch viele anschauliche Bilder und einige lustig gezeichnete Cartoons. Sie erklären dem Leser, dass die newtonschen Gesetze nicht genannte Weltformel ist, die Antworten geben kann auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem. Das Problem an der Sache ist, dass die unfehlbar sind und dass die Naturgesetze immer weniger Gültigkeit haben, je kleiner die betrachteten Dinge werden. Auf Quantenebene verhält sich vieles nicht so, wie erwartet und so mussten Quantenversionen der Naturgesetze gebildet werden. Diese beiden sich teilweise unterscheidenden und widersprechenden Gesetze doch unter einen Hut zu bringen, daran versucht sich die M-Theorie. So bekommt der Leser einen detaillierten Überblick darüber, wie früher und heute über die Entstehung des Universums gedacht wurde und wird, dass es jede Menge Paralleluniversen gibt und dass "Außerirdische, deren stammesgeschichtliche Entwicklung sich unter dem Einfluss von Röntgenstrahlen vollzog, gute Berufsaussichten beim Sicherheitsdienst von Flughäfen haben". Zum Ende des gut geschriebenen Buches, erläutern die Autoren schließlich ihre Sicht der Dinge und wagen sich an den Versuch einer Erklärung über den Ursprung aller Dinge, basierend auf den vorher im Buch dargelegten Fakten.

Leider fällt dieser Teil des Buchs sehr kurz aus und muss zwangsläufig enttäuschen. Hier wäre eine ausführlichere Ausführung für den interessierten Leser weitaus befriedigender gewesen. Dieses Buch ist eine konsequente Fortsetzung von „Eine kurze Geschichte der Zeit“ und zugleich ein sehr persönlicher Blick in den inneren Kosmos der Stephen Hawking. Richard-Heinrich Tarenz


Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums
Stephen Hawking und Leonard Mlodinow

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Rowohlt
VÖ: 07. September 2010
ISBN-13: 978-3498029913

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