16.04.2013

Clara Große ist eine faszinierende Frau und eine sehr talentierte Nachwuchsschauspielerin. Sie bereitet sich gerade an der Film Acting School Cologne auf ihren Abschluss vor und steht vor einer hoffnungsvollen Karriere.


Wenn man dieser Frau zum ersten Mal begegnet, ist man sofort von ihrer Art fasziniert. Sie verfügt nicht nur über ein bestechendes Aussehen, sondern auch über eine natürliche und authentische Ausstrahlung, welche den Raum erfüllt und positiv ausfüllt. Diese Frau liebt es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und ihre Wünsche und Träume auszuleben. Die Rede ist von Clara Große, die am Beginn einer hoffnungsvollen Karriere als Schauspielerin steht. Sie verfügt über eine sehr große Wandlungsfähigkeit und doch erscheint sie nie beliebig. Ihre zahlreichen Facetten vereinen sich stets zu einer aufregenden Einheit. Im Interview spricht Clara Große über Ihre Tätigkeit als Schauspielerin, ihre Zukunftspläne und vieles mehr.

Sie sind in Berlin geboren, ihre Eltern stammen aus der ehemaligen DDR. Wie ist ihre Beziehung zu Berlin und der Heimat ihrer Eltern?

Clara Große: Eigentlich habe ich wenig Bezug zu Berlin, da ich dort nicht aufgewachsen bin. Aber ich freue mich immer wenn ich nach Berlin fahre, um meinen Onkel zu besuchen. Landschaftlich ist Sachsen-Anhalt, die Heimat meiner Eltern, wunderschön. Aber meine Großeltern haben in kleinen Dörfern am Ende der Welt gelebt und als Jugendlicher hat man sich dort zu Tode gelangweilt. Es gab nicht mal ein Handynetz. Jetzt mit 23 sehe ich das anders. Ich würde gerne noch mal für ein paar Tage hinfahren und mir alle Städte angucken. Zum Beispiel Halle, wo meine Eltern in ihrer Jugend gelebt haben.

Sie stammen aus einer sehr künstlerischen Familie. Wie hat dieser Umstand ihre Kindheit beeinflusst und was bedeutet es für Sie?

Clara Große: Mein Papa ist einfach ein Künstler, wie er im Buche steht. Kunst, Frauen, Alkohol und verrückte Sachen. Meiner Meinung nach, hatte ich nie einen ganz normalen Vater. Aber das wäre sicher auch langweilig gewesen. Meine Mama ist eher der Typ Frau, der am lautesten aber auch am schönsten an Heiligabend in der Kirche singt. Früher wurde an jedem Geburtstag das Akkordeon ausgepackt. Meinen Eltern war es sehr wichtig, dass meine Schwester und ich ein Instrument lernen. Wir haben uns damals für die Geige entschieden. Leider habe ich zu Leiden meines Lehrers und Eltern nie viel geübt.

Ihre Kindheit hat sich in einem Schloss abgespielt. Was können Sie uns erzählen und wie war es für Sie, in einer solchen Umgebung aufzuwachsen?

Clara Große: Toll! Das war wirklich Glück. Du hast Ruhe und sehr viel Platz zum spielen. Wiesen, Kletterbäume, Pferde, dunkle verbotene Ecken und Wasser. Im Sommer haben wir entweder ein Floß gebaut oder sind mit dem Schlauchboot auf dem Weiher herumgefahren. Oder wir haben Höhlen gebaut. Wenn wir auf Bäume geklettert sind, haben wir allerdings immer Ärger mit den Schlossbesitzern bekommen. Allerdings ist an St. Martin auch kein Kind zum Schloss singen gekommen, weil alle immer Angst davor hatten, die dunkle Brücke hoch zu laufen. Ich wurde ganz oft im Dorf raus gelassen, wenn Eltern von Freunden mich nach Hause gebracht haben, weil sie nicht wollten, dass ihr Auto dreckig wird, wenn sie die holprige Schlosseinfahrt hochfuhren.

Deshalb habe ich auch nachts im Dunkeln keine Angst alleine durch Köln zu laufen. Nachts alleine durch den Torbogen rennen hat abgehärtet. Als ich sieben war, habe ich mit meinem Papa zusammen dem Mausclub geschrieben. Wir hatten nämlich ein Schlossgespenst, welches uns immer Süßigkeiten in ein Loch in der Wand gelegt hat. Und dann kam der Mausclub und hat eine Sendung darüber gedreht. Das war mein erster Auftritt vor der Kamera. Ich musste gefühlt 100mal auf die Truhe klettern und meinen Satz sagen. Da ich immer wieder zu früh runter gesprungen bin, musste ich das so lange machen, bis es perfekt war. Aber anscheinend hat mir das insgeheim doch ganz gut gefallen. Später habe ich dann in der Burgschenke im Schloss gearbeitet und auf Hochzeiten. Ich habe auf so vielen Hochzeiten getanzt, dass ich das selber später gar nicht mehr haben muss. Oh – ich liebe die Mittelaltermärkte bei uns! Dann zelten ganz viele Heerlager auf dem gesamten Grundstück und überall spielen Gaukler und man kann Kirschbier trinken. Darauf freue ich mich jedes Jahr! Und alle sind verkleidet. Ihr solltet mal vorbeikommen- nach Schloss Hülchrath.

Schon früh konnten Sie Erfahrungen am Theater sammeln. Was macht für Sie die besondere Faszination des Theater aus und wie es zu ihrem Engagement am Theater gekommen?

Clara Große: In der Schule spielt ja jedes Kind gerne Theater. Aber ich hatte damals schon in der Grundschule die Hauptrolle in „Toni und die Zauberhupe“. Mein Vater wusste, dass mir das gefallen hat. Ein Bekannter, Sewan Latchinian, war damals Oberspielleiter am Rheinischen Landestheater in Neuss. So konnte ich für die Kinderrolle in „Brassed Off - Mit Pauken und Trompeten“ vorsprechen und habe die Rolle auch bekommen. Das war aufregend, denn wir haben das Stück nicht nur in Neuss aufgeführt, sondern sind auch durch andere Städte gereist. Mit 13 habe ich mein erstes Geld verdient! Einmal habe ich vergessen vor der Aufführung meine Requisiten zu checken. Das war mir eine gute Lehre, denn während der Vorführung habe ich festgestellt, dass die Eiscreme die ich holen sollte nicht mehr da lag, wo sie liegen sollte! Dann muss man improvisieren. Danach bin ich in den Jugendclub eingetreten. Dort haben wir die Stücke auch selber inszeniert. Man hat Freiheiten, man spielt einfach, probiert Dinge aus.

Manche Menschen begleiten dich dann Jahre lang. Beim Fernsehen ist nach einem oder wenigen Tagen alles vorbei. Es sei denn, man ist fest angestellt. Mir hat es einfach gefallen, auf der Bühne zu stehen und die Leute applaudieren zu sehen. Du spielst 1,5 Stunden durch und alles muss sitzen oder du musst improvisieren. Das macht aber auch Spaß. Du weißt nie was kommt. Trotzdem habe ich mich jetzt für eine Filmschauspielschule ent-schieden, weil ich denke, dass es doch einen gewissen Unterschied gibt wie man auf der Bühne und wie man vor der Kamera arbeitet, bzw. spielt.



Was wäre Ihrer Traumrolle, wenn Sie frei wählen könnten?

Clara Große: Eine Rolle, die eine Fähigkeit hat, bzw. etwas macht, was mit meinem Leben nichts zu tun hat.

Hat man es als Frau schwerer als männliche Kollegen?

Clara Große: Ja. Das habe ich beim Vorsprechen an staatlichen Schulen gesehen. Frauen waren immer in der Überzahl.

Sie stehen vor ihrem Abschluss an der Schauspielschule. Wie hat sich für Sie die Zeit dort gestaltet und was sind ihre Pläne für die Zukunft?

Clara Große: Ich bin jetzt schon traurig, wenn ich dran denke, dass die Zeit bald vorbei sein wird. Man lernt die Leute in seiner Klasse lieben. Vor allem weil es zur Ausbildung gehört, sich zu öffnen und sehr ehrlich zu sein. Ich denke jeden Tag, dass ich im Irrenhaus bin. Was wir für Sachen machen, kann man gar nicht erzählen. Aber geil! Wer macht in seinem Alltag schon so verrückte Sachen. Nur wir! Das liebe ich an diesem Job. Du hast alle Freiheiten. Mein Plan für die Zukunft? Ich muss dringend Rollen kriegen und Geld verdienen. Und einfach spielen, spielen, spielen. Es wird mir fehlen, dass ich einfach nicht mehr jeden Tag in der Schule bin und lerne. Deshalb muss ich gucken, dass ich Leute kennen lerne, die meine Art mögen, die auch mein Interview mögen und die mich besetzen wollen. Das ist der Plan. Hallo!

Was ist ihr Lieblingswort?
Ich hätte nen Spruch im Angebot: „Ein Kölsch und ein Bier, bitte“

Was ist ihr am wenigsten gemochtes Wort?
Mathematik

Was macht Sie an?
Männer

Was macht Sie überhaupt nicht an?
Spinnen

Welches Geräusch oder welche Stimme lieben Sie?
Ich liebe es, wenn der Regen aufs Dach fällt und es gewittert.
Bestenfalls liegt man dann nicht alleine im Bett.

Wenn der Himmel existiert, was würdest du von Gott gerne hören, wenn Du an der Himmelspforte ankommst?
„Was machst Du denn hier?“

Text: Richard-Heinrich Tarenz
Fotos: Nicole Mertens