12.02.2014

Musik-Neuheiten
Empfehlenswerte CD-Neuerscheinungen


Automatic Sam
Sonic Whip
Qaudro Entertainment (H'ART)
31. Januar 2014

Das 2. Album der in ihrem Heimatland Holland bereits ausgiebig gefeierten Alternative-Rockband Automatic Sam begeistert derzeit die Kritiker. AUTOMATIC SAM aus Nijmegen, gegründet Anfang 2009, wurden schon als die holländische Antwort auf Triggerfinger bezeichnet und der Vergleich hinkt keinesfalls. Ihr Name ist dem Mammut-Song „Tarot Plane“ von Captain Beefheart entnommen und so ist es nicht verwunderlich, dass hier immer wieder eine Vorliebe zum psychedelischen Rock der späten 60er und frühen 70er durchscheint, perfekt in düster-lauernden Garagen-Rock und sexy Stoner-Blues eingebettet, ohne dabei allzu retro zu klingen. Im Vergleich mit ihrem Albumdebüt Texino haben die Vier ihren DIY - Sound für Sonic Whip gehörig aufpoliert und das Tempo geringfügig gedrosselt, bei gleich-bleibendem Druck. Der treibende Bass im Titelsong oder dem entrückt-ungestümen „Set It Right“ ist hier eine Art roter Faden. Kreative Hooklines und entfesselte, wüste Leads entladen sich mitunter in dichte Gitarrenwände und genau richtig portionierte Jams. Dieses Album macht viel Spaß.

Sebastian Krämer
Tüpfelhyänen
Reptiphon (Broken Silence)
14. Februar 2014

So müssen Protestsongs sein: Scharfsinnig, witzig, tiefgründig, schmissig. Und so versponnen, dass erst nach einer Weile deutlich wird, wogegen sich der Protest eigentlich richtet: nämlich alle Erscheinungsformen von Phantasielosigkeit und Fremdbestimmung. Denn Freiheit ist nichts für zwischendurch und die Feierabende. So lässt sich das Grundthema des aktuellen Albums von SEBASTIAN KRÄMER beschreiben. Der Berliner, seit rund 20 Jahren ein gern und oft gesehener Gast auf deutschen Bühnen und in TV-Sendungen und mit zahlreichen Preisen geehrt, präsentiert 22 neue Stücke: musikalisch gewohnt virtuos und mit spitzzüngigen Texten von eindringlicher Geschliffenheit, die ganze Romane in wenigen Minuten erzählen. Vorgetragen mit einer einfühlsam-filigranen Stimme, die die oft schonungslosen Scherze lapidar überspielt, um den Feinheiten nachzuspüren. Es gibt viel zu lachen, und doch wird man am Ende nicht der Meinung sein, dass es sich hierbei um den entscheidenden Ertrag handelt. Ein Album, dass man nicht so schnell vergisst und das noch lange den Kopf beschäftigt.


Die Kammer
Season II: Views from the Inside Delicious Releases (Membran)
14. Februar 2014

Mit Ihrem 2012 erschienen Debütalbum „Season 1: The Seeming and the Real“ startete das Akustik-Alternative-Projekt DIE KAMMER richtig durch. Nachdem nun das ureigene KAMMER-Orchester etabliert und auf die Bühnen dieser Welt gebracht wurde, war es höchste Zeit für den zweiten Tonträger der Ausnahmeformation. „Season II: Views from the Inside“ macht seinem Namen alle Ehre und gewährt ebenso tiefe wie persönliche Einblicke in die außergewöhnlichen Klang- und Gefühlswelten der KAMMER. Schon auf den ersten Blick, beim ersten Anspielen der Songs wird deutlich: Die KAMMER-Protagonisten sind gereift, haben ihr Spektrum um neue Akzente und Klangfarben erweitert und starten mit jeder Menge Schwung in die neue Saison. Auf dem neuen Album tummeln sich kraftvolle Stücke, flotte Gassenhauer aber auch ruhige Balladen und experimentelle Werke mal ergreifend und aufwühlend, mal augenzwinkernd und humorvoll. Freunde des anspruchsvollen Pop und Folk werden mehr als entzückt sein über dieses Album.


a