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DVD & BLU-RAY | 24.09.2026

SCARY MOVIE
Die Rückkehr der hemmungslosen Parodie

Mit „SCARY MOVIE“ kehrt eine Filmreihe zurück, deren Bedeutung eng mit der anarchischen Aneignung des Horror- und Popkulturkanons verbunden ist. Die neue Folge verbindet Slasher-Parodie, Meta-Komik und Franchise-Nostalgie zu einem bewusst maßlosen Spiel mit den Konventionen des zeitgenössischen Horrorkinos. Zwischen Wiederholung und Aktualisierung entsteht ein ambivalentes Verhältnis zur eigenen Vergangenheit: Der Film lebt von vertrauten Figuren und Motiven, muss sich aber zugleich gegen deren bloße Musealisierung behaupten. Am 25. September erscheint „SCARY MOVIE“ für das Heimkino.

von Franziska Keil


© 2026 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Die Parodie als eigenständige Genreform

„SCARY MOVIE“ tritt in ein kulturelles Terrain ein, in dem die klassische Spoof-Komödie ihre einstige Selbstverständlichkeit weitgehend eingebüßt hat. Gerade deshalb besitzt die Rückkehr der Reihe eine eigentümliche kulturhistorische Dimension. Die Parodie ist dabei nicht bloß eine Nebenform der Komödie, sondern ein Verfahren, das Genrekonventionen durch Übertreibung, Umkehrung und Kontextverschiebung sichtbar macht. „SCARY MOVIE“ knüpft an diese Tradition an, ohne sie intellektualisieren zu wollen. Seine Methode besteht in der hemmungslosen Überreizung des Horrorgenres. Slasher-Motive, Figurenkonstellationen, ikonische Situationen und narrative Wendungen werden aufgegriffen und anschließend durch sexuelle, körperliche oder absurde Gags aus ihrer ursprünglichen Funktion gelöst. Gerade darin liegt die produktive Spannung des Films: Die Parodie funktioniert nur, weil der Horrorfilm als Referenzsystem weiterhin erkennbar bleibt. „SCARY MOVIE“ setzt deshalb ein ausgeprägtes Genregedächtnis voraus, richtet sich aber zugleich an Zuschauer, die lediglich mit den Grundmustern des Horrorkinos vertraut sind. Die Komik entsteht aus der Differenz zwischen Erwartung und Abweichung. Ein vertrauter dramaturgischer Ablauf wird etabliert, um ihn im nächsten Moment durch eine groteske Pointe oder einen bewussten Regelbruch zu sabotieren.

Slasher-Parodie und Selbstreferenzialität

Die neue Folge greift insbesondere die gegenwärtige Tendenz auf, etablierte Horrorstoffe in neuer Form wiederaufzunehmen. Damit entsteht eine doppelte Bewegung: „SCARY MOVIE“ parodiert aktuelle Entwicklungen des Horrorfilms und setzt zugleich seine eigene Franchise-Geschichte fort. Die vertrauten Muster des modernen Slasherfilms werden dadurch selbst zum Gegenstand der Satire. Diese Konstruktion besitzt eine reizvolle Metaebene. Der Film macht sich über Erzählstrategien lustig, die ihrerseits bereits stark vom Bewusstsein für die Geschichte des Genres geprägt sind. Gleichzeitig bleibt die grundlegende Dramaturgie des Horrorgenres als Gerüst erhalten. Bedrohung, Verfolgung, Verdächtigung und groteske Gewalt liefern weiterhin die narrative Infrastruktur, auf der die Komik operiert. Gerade diese Verbindung aus Übernahme und Verfremdung gehört zum Kern der Parodie. Sie zerstört die Konvention nicht, sondern macht ihre Künstlichkeit sichtbar. Der Slasher wird dadurch gleichzeitig reproduziert und entzaubert. Seine bekannten Mechanismen bleiben erkennbar, verlieren aber ihre ursprüngliche emotionale Verbindlichkeit. Angst wird in Erwartung verwandelt, Spannung in Pointe und der vermeintlich schockierende Moment in eine Gelegenheit zur komischen Umkehrung.

Figuren, Wiedererkennung und Franchise-Gedächtnis

Eine wesentliche Funktion übernimmt dabei die Rückkehr vertrauter Figuren. Sie sind nicht ausschließlich nostalgische Verweise, sondern tragen ein bereits etabliertes komisches Verhaltensrepertoire mit sich. Das Publikum kennt ihre Charakterzüge und kann deshalb selbst kleinste Abweichungen, Wiederholungen oder Konfrontationen als Pointe lesen. Die Wiederbegegnung mit den bekannten Figuren erzeugt eine Form von Wiedererkennung, die für eine Parodie besonders wertvoll ist. Gleichzeitig zeigt sich hier die Ambivalenz des Franchise-Kinos. Eine Figur kann entweder als eigenständiger Bestandteil der aktuellen Handlung funktionieren oder lediglich als Verweis auf eine vergangene Erfolgsphase dienen. „SCARY MOVIE“ ist dort überzeugend, wo seine Rückkehrer tatsächlich neue komische Situationen erzeugen und nicht lediglich als lebende Erinnerungsstücke auftreten. Die Nostalgie wird dann von einer passiven Rückschau zu einem aktiven dramaturgischen Verfahren. Das Franchise-Gedächtnis wird nicht einfach ausgestellt, sondern in neue Konstellationen überführt. Dadurch entsteht eine eigentümliche Doppelwahrnehmung: Der Zuschauer erkennt etwas Vertrautes wieder und erlebt es zugleich in einer deformierten, parodistischen Variante.


© 2026 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Das Prinzip der komischen Überreizung

Die Komik des Films beruht wesentlich auf Verdichtung. Ein Gag folgt auf den nächsten, unterschiedliche Formen des Humors werden miteinander kombiniert, und die Handlung wird immer wieder von absurden Einfällen unterbrochen. Diese Strategie besitzt Vorzüge und Grenzen. Ihr größter Vorteil ist die hohe Dynamik. Selbst wenn eine Pointe nicht funktioniert, wird sie rasch durch die nächste ersetzt. Der Film entwickelt dadurch ein komödiantisches Prinzip der permanenten Erwartungsstörung. Gleichzeitig kann die Quantität der Einfälle die einzelne Pointe entwerten. Wo nahezu jeder Moment auf einen Gag zugespitzt wird, entsteht kaum eine Hierarchie zwischen besonders präziser Satire und bloßer Albernheit. Nicht jede Grenzüberschreitung besitzt automatisch komische Qualität. Gerade deshalb ist die Überfülle des Films ambivalent: Sie entspricht einer anarchischen Komödienästhetik, kann aber ebenso zu einer gewissen Austauschbarkeit führen. Die Parodie benötigt nicht zwingend eine kohärente Handlung im klassischen Sinn, doch sie benötigt einen Rhythmus, in dem Überraschung und Wiederholung produktiv aufeinander reagieren. „SCARY MOVIE“ findet diesen Rhythmus häufig, aber nicht in jedem Moment mit derselben Präzision.

Tabubruch und zeitgenössische Satire

Die Bereitschaft, unterschiedlichste gesellschaftliche und popkulturelle Reizthemen zum Gegenstand des Humors zu machen, gehört ebenfalls zum Verfahren des Films. Politische Kontroversen, gesellschaftliche Debatten und aktuelle kulturelle Diskurse werden in die Gagstruktur integriert. Damit knüpft „SCARY MOVIE“ an eine anarchische Form der Satire an, die bewusst versucht, keine geschützten Gegenstände zuzulassen. Gerade hier zeigt sich jedoch die entscheidende Grenze zwischen Tabubruch und Satire. Provokation allein erzeugt noch keine Pointe. Erst wenn eine Übertreibung eine gesellschaftliche oder kulturelle Konvention erkennbar macht, entsteht daraus ein satirischer Mehrwert. „SCARY MOVIE“ ist folglich dort am stärksten, wo seine Grenzüberschreitungen tatsächlich mit den Mechanismen des Genres oder der Popkultur arbeiten. Weniger überzeugend sind Momente, in denen die bloße Obszönität oder die Aktualitätsreferenz selbst als Pointe fungiert. Diese Ambivalenz gehört jedoch zum Wesen einer Komödie, die ihre Wirkung bewusst aus dem Überschreiten von Geschmacksschwellen bezieht. Ihre Rücksichtslosigkeit ist zugleich ästhetisches Prinzip und Risiko.

Zwischen Nostalgie und Gegenwart

Die eigentliche Leistung von „SCARY MOVIE“ liegt deshalb weniger darin, die Parodie neu zu erfinden, als darin, ihre spezifische Form in einem veränderten kulturellen Umfeld erneut zu aktivieren. Das Franchise verfügt über ein ausgeprägtes kulturelles Gedächtnis, und die neue Folge nutzt dieses Gedächtnis als komisches Material. Vertraute Figuren und Motive treffen auf aktuelle Horrorströmungen und zeitgenössische Popkultur. Dadurch entsteht ein Film, der gleichzeitig Rückblick und Aktualisierung ist. Seine Schwächen liegen dort, wo Geschwindigkeit und Quantität die Präzision der Komik überlagern oder eine Referenz bereits die Pointe ersetzen soll. Seine Stärken zeigen sich dagegen in der konsequenten Bereitschaft, Genrekonventionen nicht ehrfürchtig zu behandeln, sondern sie in ihr Gegenteil zu verkehren. „SCARY MOVIE“ ist damit weder eine bloße nostalgische Kopie noch eine vollständige Erneuerung der Spoof-Komödie. Interessanter ist seine Zwischenposition: Der Film erinnert daran, dass Parodie dann besonders produktiv wird, wenn sie das Genre, das sie verspottet, zugleich kennt und ernst genug nimmt, um seine Regeln gezielt zu brechen. Seine Rückkehr besitzt deshalb einen gewissen kulturhistorischen Reiz. Sie führt eine Form der Komödie fort, die weniger auf elegante Distanz als auf maximale Überschreitung setzt – und gerade dadurch die Künstlichkeit filmischer Konventionen sichtbar macht.


SCARY MOVIE 6

ET: 25.09.26: DVD, Blu-ray und 4K UHD | FSK 16
R: Michael Tiddes | D: Marlon Wayans, Shawn Wayans, Anna Faris
USA 2026 | Paramount / LEONINE


 


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