„Under
the Stars“ beschwört mit sanfter Eleganz die verlorene
Kunst der romantischen Komödie jenseits von Ironie und Überzeichnung.
Zwischen apulischer Landschaft, narrativer Vertrautheit und nuancierten
Figurenentwürfen entfaltet der Film ein Plädoyer für
das Gefühl als kinotaugliche Erfahrung. Ein leiser, aber nachhaltiger
Beweis dafür, dass romantisches Kino auch im Heimkino seine ästhetische
und emotionale Notwendigkeit behaupten kann.
„Under
the Stars“ erweist sich als ein Werk, das mit wohltuender Selbstverständlichkeit
an eine fast vergessene Tradition des romantischen Kinos anknüpft:
jenes mittleren Budgets, das nicht auf formale Revolutionen aus ist,
sondern auf Atmosphäre, Figurenchemie und die stille Verführungskraft
eines sorgfältig komponierten Schauplatzes. In einer Zeit, in
der das Genre der romantischen Komödie zunehmend in die Randzonen
des Streaming-Marktes verdrängt wurde, wirkt Michelle Danners
Film wie ein bewusst entschleunigter Gegenentwurf – ein Plädoyer
für das Gefühl, für das Erzählen und für
die Schönheit des scheinbar Vertrauten. Ab dem 15. Januar ist
dieser Film nun auch auf DVD für das Heimkino verfügbar
und entfaltet gerade dort seine leise, nachhaltige Wirkung. Im Zentrum
der Erzählung stehen zwei parallele Liebesgeschichten, die weniger
auf narrative Überraschungen als auf emotionale Resonanz setzen.
Der junge Schriftsteller Ian, geplagt von kreativen Blockaden und
einer zunehmend brüchigen Beziehung, flieht in die süditalienische
Landschaft Apuliens, um Abstand und Inspiration zu finden. Diese klassische
Motivik – der Künstler in der Krise, der in der Fremde
zu sich selbst findet – wird nicht ironisch gebrochen, sondern
mit aufrichtiger Zuneigung zum Genre ausgespielt. Alex Pettyfer verkörpert
Ian als sympathisch Unfertigen, dessen Unsicherheit nicht zum Defizit,
sondern zum dramaturgischen Motor wird. Die Begegnung mit Arianna,
der resoluten Managerin eines traditionsreichen Landguts, folgt den
bekannten Bahnen der romantischen Komödie: anfängliche Reibung,
gegenseitige Abwehr, allmähliche Annäherung. Doch gerade
in der Gelassenheit, mit der der Film diese Tropen akzeptiert, liegt
seine Stärke. Eva De Dominici verleiht Arianna eine Erdung, die
den drohenden Kitsch abfedert und der Beziehung eine glaubwürdige
Entwicklung erlaubt.
Regisseurin
Danner inszeniert diese Annäherung nicht als pointengetriebene
Eskalation, sondern als Prozess des vorsichtigen Öffnens –
eine Entscheidung, die dem Film seine sanfte Tonlage verleiht. Parallel
dazu entfaltet sich eine zweite, in vielerlei Hinsicht interessantere
Liebesgeschichte zwischen Ians Tante Audrey und dem Besitzer des Landguts,
Giacomo. Toni Collette und Andy Garcia spielen diese Beziehung mit
einer Selbstverständlichkeit, die das gängige Altersnarrativ
des Genres unterläuft. Hier wird Liebe nicht als jugendliche
Verheißung, sondern als späte, bewusste Entscheidung erzählt
– als Begegnung zweier Menschen, die wissen, was sie verloren
haben, und deshalb umso genauer spüren, was sie gewinnen könnten.
Diese Ebene des Films verleiht „Under the Stars“ eine
emotionale Tiefe, die über die Konventionen hinausweist. Bemerkenswert
ist in diesem Film der Umgang mit Raum und Landschaft. Apulien fungiert
nicht bloß als postkartentaugliche Kulisse, sondern als emotionaler
Resonanzraum, der die inneren Zustände der Figuren spiegelt.
Die Kamera verweilt auf Licht, Architektur und Natur, ohne in bloße
touristische Verklärung abzugleiten. Die Masseria wird zum Ort
der Übergänge: zwischen Stillstand und Aufbruch, zwischen
Vergangenheit und möglicher Zukunft. „Under the Stars“
ist kein Film der lauten Pointen oder der dramaturgischen Volten.
Seine Komik äußert sich im warmen Lächeln, seine Romantik
im leisen Einverständnis mit der Vorhersehbarkeit des Lebens.
Gerade darin liegt seine Qualität. Der Film erinnert daran, dass
das Kino nicht immer überraschen muss, um zu berühren –
manchmal genügt es, bekannte Gefühle mit Aufrichtigkeit,
handwerklicher Sorgfalt und einem charismatischen Ensemble neu zum
Leuchten zu bringen. Als Heimkinoveröffentlichung lädt „Under
the Stars“ dazu ein, sich für knapp hundert Minuten in
eine Welt fallen zu lassen, in der Liebe noch als Möglichkeit
gedacht wird – und das ist, gerade heute, alles andere als geringfügig.
UNDER THE STARS
ET:
15.01.26: DVD | FSK 6
R: Michelle Danner | D: Alex Pettyfer, Eva de Dominici, Toni Collette
USA 2005 | Vuelta Entertainment