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DVD & BLU-RAY | 04.02.2026

HOW TO MAKE A KILLING

Ein Bär, ein Geldfund und ein Dorf, das lieber schweigt als explodiert: „How To Make A Killing“ kultiviert die Kunst der leisen Eskalation. Zwischen Krimi, Thriller und schwarzer Komödie entfaltet sich ein präzise beobachtetes Gesellschaftspanorama. Franck Dubosc setzt auf Gelassenheit statt Sensation – und gewinnt gerade dadurch an Schärfe.

von Franziska Keil


© 2024 Gaumont, Pour Toi Public Productions, France 2 Cinéma, Foto Julien Panié

„How To Make A Killing“ ist ein Film, der sich demonstrativ jeder Form von dramaturgischer Hast verweigert – und gerade daraus seine eigentümliche Kraft bezieht. Inmitten der winterlichen Abgeschiedenheit des französischen Juragebirges entfaltet sich eine Kette von Ereignissen, deren Auslöser ebenso zufällig wie symbolisch ist: das Auftauchen eines Bären. Was folgt, ist kein reißerischer Thriller, sondern eine sorgfältig austarierte Studie über Zufall, Schuld und die trügerische Hoffnung, dass sich moralische Entscheidungen im Stillen treffen ließen. Der Film erzählt von Menschen, die nicht nach dem Verbrechen suchen, sondern über es stolpern. Michel, ein verschuldeter Christbaumverkäufer, und seine Frau Cathy geraten durch einen Unfall in den Besitz eines enormen Geldbetrags – und damit in ein moralisches Vakuum. Dubosc interessiert sich weniger für die Frage, ob diese Entscheidung falsch ist, als dafür, wie selbstverständlich sie im Alltag verankert wird. Die Figuren handeln nicht aus Gier, sondern aus Überforderung, aus dem Wunsch nach Ordnung in einem Leben, das längst aus den Fugen geraten ist. Diese Perspektive verleiht dem Film eine leise Humanität, die selbst im Angesicht steigender Opferzahlen nicht verloren geht. Formal verbindet „How To Make A Killing“ Elemente des Thrillers, des Kriminalfilms und der schwarzen Komödie, ohne sich je eindeutig festzulegen. Die Gewalt tritt beiläufig auf, fast unkommentiert, und wirkt gerade deshalb nachhaltiger. Der Bodycount ist beträchtlich, doch Dubosc inszeniert ihn ohne Schauwert, ohne voyeuristische Zuspitzung. Stattdessen dominiert eine französische Gelassenheit, die Panik und Pathos konsequent meidet. In dieser kontrollierten Tonlage erinnert der Film an jene existenziellen Noir-Erzählungen, in denen das Verhängnis nicht von außen hereinbricht, sondern sich langsam aus alltäglichen Entscheidungen zusammensetzt. Besonders bemerkenswert ist das Figurenensemble, das den Film trägt. Sowohl auf Seiten der provinziellen Polizei als auch innerhalb der Bauernfamilie begegnet man Menschen, die nicht inkompetent, sondern schlicht begrenzt sind – sprachlich, emotional, institutionell.


© 2024 Gaumont, Pour Toi Public Productions, France 2 Cinéma, Foto Julien Panié

Der alternde Ermittler Major Bodin ist weniger Hüter der Ordnung als Verwalter des Unzulänglichen: familiäre Spannungen, bürokratische Hürden und eine Dorfgemeinschaft, die Konflikte lieber verdrängt als aufarbeitet. In dieser Konstellation wird das Verbrechen nicht zur Ausnahme, sondern zur logischen Konsequenz sozialer Reibungslosigkeit. Dass „How To Make A Killing“ trotz seiner vergleichsweise konventionellen Grundidee überzeugt, liegt an seiner Atmosphäre. Der Film lebt von skurrilen Details, von scheinbar nebensächlichen Motiven – einem Swingerclub, Eheproblemen, vorweihnachtlichem Stress –, die sich zu einem dichten Geflecht aus Alltäglichkeit und Abgrund verbinden. Die Laufzeit von knapp zwei Stunden erweist sich dabei als ambivalent: Die erzählerische Ruhe schlägt stellenweise in Dehnung um, einzelne Szenen wirken ausgestellt. Doch auch diese Längen fügen sich in das Gesamtbild eines Films, der lieber verweilt als zuspitzt. Franck Dubosc, der hier zugleich Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur ist, beweist ein feines Gespür für Tonalität, auch wenn die Mehrfachbelastung gelegentlich sichtbar wird. Seine Inszenierung vertraut darauf, dass das Publikum Zwischentöne wahrnimmt: das Unbehagen hinter der Komik, die Melancholie unter der Kriminalhandlung. Logische Brüche – etwa die erstaunlich lange Unbeobachtetheit von Tatorten – lassen sich dabei als Teil einer bewusst unrealistischen Dorfwelt lesen, in der Zeit und Konsequenzen anders funktionieren. So erweist sich „How To Make A Killing“ als ein Film von stiller Nachhaltigkeit. Er verzichtet auf Weihnachtskitsch, ohne die Jahreszeit zu verleugnen, und entfaltet einen morbiden Charme, der zur Wiederentdeckung einlädt. Gerade in seiner Zurückhaltung liegt seine Qualität: als lakonische Parabel über das Scheitern moralischer Kontrolle und als Beweis dafür, dass Spannung nicht aus Tempo, sondern aus präziser Beobachtung entstehen kann. Dass dieser moderne Klassiker ab dem 6. Februar auf DVD, Blu-ray und digital für das Heimkino erscheint, bietet die willkommene Gelegenheit, seine feinen Verschiebungen und leisen Grausamkeiten erneut – oder erstmals – zu würdigen.


DAS TIEFSTE BLAU

ET: 06.02.26: DVD, Blu-ray & digital | FSK 16
R: Franck Dubosc | D: Franck Dubosc, Laure Calamy, Benoît Poelvoorde
Frankreich 2024 | Weltkino


 


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