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DVD & BLU-RAY | 04.02.2026

PLAY DEAD - DIE TODGEWEIHTE

Ein Keller voller Leichen, eine Überlebende im Stillstand: „Play Dead – Die Todgeweihte“ verdichtet Horror auf einen existenziellen Grenzraum. Zwischen minimalistischer Versuchsanordnung und psychologischem Überlebenskalkül entfaltet sich ein stilles Spannungsdrama. Der Film setzt weniger auf Eskalation als auf Wahrnehmung, Zeit und Körperdisziplin.

von Franziska Keil


© Busch Media Group

„Play Dead – Die Todgeweihte“ gehört zu jener Spielart des Horrorkinos, die ihre Wirkung nicht aus permanentem Schock oder eskalierender Gewalt bezieht, sondern aus radikaler Beschränkung. Der Film konzentriert sich nahezu vollständig auf einen einzigen Ort – einen Keller – und eine zentrale Situation: das Überleben durch vollständige Passivität. Diese formale wie narrative Reduktion ist zugleich seine größte Stärke wie auch seine deutlichste Begrenzung. Im Zentrum steht Alison, die ohne Erinnerung an ihre Entführung in einem Keller erwacht, schwer verletzt und umgeben von weiblichen Leichen. Der Horror speist sich hier weniger aus dem Unbekannten als aus der erschreckenden Klarheit der Lage: Die Bedrohung ist identifiziert, greifbar, regelmäßig präsent. Ein Mann erscheint in festen Abständen, um einen der Körper nach oben zu bringen. Alison lebt nur deshalb, weil er glaubt, sie sei bereits tot. Aus dieser Prämisse entwickelt der Film sein zentrales Motiv: Überleben als absolute Selbstkontrolle, als Disziplin des Körpers und der Atmung, als Performanz des Todes. Damit unterscheidet sich „Play Dead – Die Todgeweihte“ bewusst von vergleichbaren Keller-Szenarien des Genres. Wo andere Filme auf Konfrontation, Gegenwehr oder gar metaphysische Rettungsmechanismen setzen, bleibt Carlos Goitias Inszenierung strikt im Realistischen. Es gibt keine übernatürlichen Hilfsmittel, keinen heroischen Gegenschlag, keinen unmittelbaren Machtwechsel. Spannung entsteht nicht durch Ungewissheit, sondern durch Wiederholung: das erneute Hinabsteigen des Täters, das erneute Erstarren der Protagonistin, das fragile Vertrauen darauf, dass die Inszenierung des Todes erneut glaubhaft bleibt. Diese Konzeption erzeugt eine spezifische, beinahe klinische Form von Spannung. Der Keller ist kein labyrinthartiger Ort voller dunkler Ecken, sondern ein überschaubarer, funktionaler Raum.


© Busch Media Group

Gerade diese Transparenz verstärkt das Unbehagen: Es gibt kein Versteck, keine Schattenzone, keine narrative Ausweichbewegung. Der Film zwingt sein Publikum, in der Situation zu verharren – so wie seine Hauptfigur selbst. Gleichzeitig ist sich „Play Dead – Die Todgeweihte“ der Grenzen dieser Versuchsanordnung bewusst. Die Variationsmöglichkeiten eines solchen Settings sind naturgemäß begrenzt, und der Film versucht gar nicht erst, daraus künstliche Komplexität zu gewinnen. Stattdessen reagiert er mit struktureller Konsequenz: einer äußerst knappen Laufzeit von gut siebzig Minuten und einem späteren, gezielten Orts- und Richtungswechsel, der das zuvor Etablierte nicht negiert, sondern neu kontextualisiert. Die Handlung schlägt dabei einen Weg ein, der zwar nicht revolutionär, aber ausreichend überraschend ist, um das narrative Konzept zu tragen. Als Low-Budget-Produktion ist der Film in seiner formalen Umsetzung sichtbar eingeschränkt. Nicht jede Idee wird visuell vertieft, nicht jede Wendung dramaturgisch ausgeschöpft. Doch gerade im Rahmen dieser Beschränkungen zeigt sich eine bemerkenswerte Disziplin. Goitia verliert sich nicht in unnötiger Ausschmückung, sondern vertraut auf die Grundspannung seiner Ausgangslage. Die Inszenierung bleibt funktional, manchmal spröde, aber konsequent. „Play Dead – Die Todgeweihte“ ist kein Genre-Meilenstein und erhebt diesen Anspruch auch nicht. Er ist vielmehr ein konzentriertes Horrorexperiment, das seine Wirkung aus Reduktion, Kontrolle und Zeit bezieht. In einer Filmlandschaft, die das Publikum oft mit Reizüberflutung konfrontiert, wirkt dieser Ansatz fast asketisch. Seit dem 15. Januar ist der Film auf DVD, Blu-ray und digital für das Heimkino erschienen – und eignet sich dort besonders für Zuschauerinnen und Zuschauer, die im Horrorkino weniger den Schock als die präzise gesetzte Anspannung suchen.


PLAY DEAD - DIE TODGEWEIHTE

ET: 15.01.26: DVD, Blu-ray & digital | FSK 16
R: Carlos Goitia | D: Paula Brasca, Damian Castillo, Catalina Motto
Argentinien 2024 | Busch Media Group


 


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