Luc
Bessons Oper der Unsterblichkeit
DRACULA – DIE AUFERSTEHUNG
Luc Bessons
„Dracula – Die Auferstehung“ ist kein Horrorfilm,
sondern ein fiebriges Liebesgedicht in Bildern. Caleb Landry Jones
spielt den Vampir als romantischen Dandy – zwischen Schmerz,
Sehnsucht und Größenwahn. Ein barockes, überbordendes
Werk, das das Kino in all seiner exzessiven Schönheit feiert.
Ab
dem 13. Februar ist „Dracula – Die Auferstehung“
für das Heimkino erhältlich. Kaum ein Film der letzten Jahre
lässt sich so schwer fassen wie dieser. Luc Besson, das Enfant
terrible des europäischen Kinos, hat Bram Stokers klassischen
Stoff nicht neu interpretiert, sondern in einen rauschhaften Traum
verwandelt. Sein Dracula ist weniger Horror als Herzensangelegenheit,
weniger Schauermär als barocke Liebeserklärung an das Kino
selbst. Schon der Originaltitel „Dracula: A Love Tale“
deutet den wahren Kern dieses Werkes an – und wäre, im
Gegensatz zum deutschen „Die Auferstehung“, die ehrlichere
Überschrift. Denn Besson geht es nicht um die Rückkehr eines
Untoten, sondern um das Fortleben einer Liebe, die über Zeit,
Tod und Vernunft hinausreicht. Sein Film handelt vom unstillbaren
Verlangen nach Nähe, vom romantischen Größenwahn einer
Seele, die selbst den Fluch der Unsterblichkeit in Kauf nimmt, um
wiederzufinden, was sie verloren hat. Visuell ist „Dracula –
Die Auferstehung“ eine sinfonische Überwältigung.
Von der ersten Einstellung an badet Besson seine Bilder in satten
Farben, in Purpur und Gold, in Schatten und Flammen. Es ist ein Kino
der Sinnlichkeit, der Übersteigerung, der Opernhaftigkeit. Der
Regisseur inszeniert den Vampir nicht als Monster, sondern als tragischen
Liebenden – als Dandy der Nacht, der weniger vom Blutdurst als
von der Sehnsucht verzehrt wird. Caleb Landry Jones, mit seiner nervösen
Körperlichkeit und melancholischen Intensität, verkörpert
diesen Dracula als Figur zwischen raubtierhafter Wildheit und zerbrechlicher
Schönheit. Zoë Bleu steht ihm in der Doppelrolle von Elisabeta
und Mina zur Seite – eine junge Frau, die gleichermaßen
Projektionsfläche und Gegenkraft ist. Sie trägt die Last
des Mythos auf zarten Schultern, und doch verleiht sie dem Stoff Momente
stiller Auflehnung. Besson inszeniert sie mit Zärtlichkeit, aber
auch mit jener patriarchalen Nostalgie, die seine Filme oft prägt:
der Wunsch, das Weibliche zu retten und zu verklären, ohne es
ganz zu verstehen.
Die
Handlung folgt bekannten Motiven – dem Verlust der Geliebten,
der Verfluchung, der Wiederkehr in neuer Gestalt –, doch Besson
macht aus der Vorlage ein eigenes Epos. Wo Coppola 1992 Pathos und
Werkgetreue suchte, sucht Besson das Unberechenbare. Er verwebt Groteske
und Kitsch, Poesie und Exzess zu einem Kinoerlebnis, das zwischen
Größenwahn und kindlicher Verspieltheit oszilliert. Wenn
Dracula ganze Ballsäle in ekstatische Marionetten verwandelt
oder Nonnen in rauschhafte Verzückung stürzt, erinnert das
weniger an klassischen Horror als an eine surrealistische Fantasie,
an ein Ringen zwischen Traum und Wahn. Christoph Waltz bringt als
van-Helsing-artiger Gegenspieler einen Hauch ironischer Erdung in
diese fiebrige Welt. Seine Figur steht für Vernunft und Ordnung,
doch beide verlieren hier jede Bedeutung – gegen die Macht des
Gefühls, gegen das Kino selbst, das sich nicht zähmen lässt.
Gerade darin liegt die Stärke des Films: „Dracula –
Die Auferstehung“ verweigert sich jeder stilistischen Disziplin,
jeder akademischen Ehrfurcht. Er ist hemmungslos und überbordend,
oft nah am Kitsch, aber immer beseelt von einem radikalen Glauben
an die Kraft der Imagination. Besson erweist sich als einer der letzten
großen Romantiker des Kinos – ein Regisseur, der nicht
adaptieren, sondern träumen will. Wenn man ihm also vorwerfen
mag, er habe Stoker „nicht verstanden“, dann mag das stimmen.
Doch Besson hat etwas anderes verstanden: dass der Mythos von Dracula
nie über das Grauen handelte, sondern über das Begehren
– über den Wunsch, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen,
indem man liebt, selbst wenn man dafür verdammt ist. „Dracula
– Die Auferstehung“ ist kein makelloser Film. Er ist zu
lang, zu exaltiert, zu ungebändigt. Aber er ist – und das
ist selten geworden – beseelt. Er glaubt an Kino als Traum,
als Rausch, als Ort des Übermaßes. In einer Zeit, in der
selbst Fantasie oft normiert erscheint, wagt Luc Besson die Rückkehr
zur Ekstase des Sehens. Der deutsche Titel mag auf Wiederauferstehung
deuten – doch was hier wirklich aufersteht, ist das große,
pathetische, leidenschaftliche Kino.
DRACULA – DIE AUFERSTEHUNG
ET:
13.02.26: DVD, Blu-ray, 4K UHD & digital | FSK 16
R: Luc Besson | D: Caleb Landry Jones, Christoph Waltz, Zoë
Bleu
Frankreich, USA 2025 | LEONINE