FILME | SERIEN | MUSIK | BÜCHER | PANORAMA | INTERVIEWS


DVD & BLU-RAY | 11.02.2026

SCHWARZ WIE SCHNEE 4: Das Auge des Teufels

Schnee, Schuld und savoyische Mythen: ein Krimi zwischen Folklore und Moderne. „Schwarz wie Schnee 4 – Das Auge des Teufels“ variiert vertraute Motive mit sicherer Hand. Der vierte Teil bleibt der Serie treu und öffnet sie zugleich vorsichtig für neue Akzente. Seit dem 05. Februar digital als Video on Demand zum Kaufen und Leihen verfügbar.

von Franziska Keil


© Jean-Philippe BALTEL / LIZLAND FILMS / FTV

Mit „Schwarz wie Schnee 4 – Das Auge des Teufels“ setzt die französisch-schweizerische Krimireihe ihre stille Erfolgsgeschichte fort und bestätigt zugleich ihre eigene Serialität als ästhetisches wie narratives Prinzip. Der Film, seit dem 05. Februar digital als Video on Demand erhältlich, knüpft nahtlos an die vorangegangenen Teile an und bietet genau jene Mischung aus alpiner Landschaft, überschaubarer Figurenkonstellation und kriminalistischer Rätselstruktur, die das Format etabliert hat. Neu ist dabei weniger das Was als das Wie. Regisseur Pierre-Louis Pingault übernimmt erstmals die Regie und zeigt vom ersten Bild an, dass er die visuellen und dramaturgischen Konventionen der Reihe präzise kennt. Der Auftakt – eine ruhige Fahrt über einen schneebedeckten Berggrat, gefolgt von einer kontrollierten Tiefschneeabfahrt – fungiert nicht nur als atmosphärischer Einstieg, sondern als programmatische Setzung: Die Landschaft ist hier erneut nicht bloß Kulisse, sondern strukturierendes Element. Der weiße Raum der Berge schafft Distanz, Isolation und eine eigentümliche Form von Klarheit, die im Kontrast zur moralischen Undurchsichtigkeit des Verbrechens steht. Im Zentrum stehen erneut Bergretterin Constance Vivier und Kommissar Andréas Meyer, ein eingespieltes Ermittlungsduo, dessen Reiz weniger aus Entwicklung als aus Konstanz entsteht. Beide Figuren bleiben in ihren charakterlichen Dispositionen nahezu unverändert: Constance agiert mit unbeirrbarem Eigensinn und riskantem Ehrgeiz, während Andréas stoisch, knurrig und von einer fast altmodischen Pflichttreue geprägt ist. Diese Stagnation mag aus filmpsychologischer Sicht begrenzt wirken, erweist sich innerhalb des Serienkonzepts jedoch als Stärke: Wiedererkennbarkeit ersetzt Progression. Der Fall selbst bewegt sich geschickt zwischen rationaler Kriminalistik und suggestiver Symbolik. Ein Todesfall an einer abgelegenen Bergkapelle, geheimnisvolle Teufelsfiguren aus Holz und der Verdacht auf okkulte Motive erzeugen zunächst eine Atmosphäre des Unheimlichen. Doch wie so oft in der Reihe wird das Mythische nicht affirmiert, sondern gebrochen. Der manipulierte Herzschrittmacher lenkt den Verdacht in Richtung moderner Technologie und Hackerkriminalität, wodurch sich ein spannungsreiches Feld zwischen archaischer Folklore und zeitgenössischer Bedrohung öffnet.


© Jean-Philippe BALTEL / LIZLAND FILMS / FTV

Besonders interessant ist dabei der Rückgriff auf die lokale Legendenwelt des savoyischen Dorfs Bessans. Der titelgebende Teufel fungiert nicht nur als Requisit, sondern als kulturelles Gedächtnis, das Fragen nach Schuld, Vergeltung und Erinnerung aufwirft. Der Film nutzt diese Folklore jedoch nicht als Erklärungsmuster, sondern als narrative Täuschung – als Spiegel menschlicher Projektionen. Das Böse erscheint weniger als metaphysische Macht denn als Ergebnis konkreter Interessen, Verletzungen und Motive. Visuell bleibt „Das Auge des Teufels“ der klaren, präzisen Bildsprache der Reihe treu, erlaubt sich jedoch punktuelle Erweiterungen. Pingault integriert dezente visuelle Effekte, um Halluzinationen und subjektive Wahrnehmungen einzelner Figuren erfahrbar zu machen. Diese Eingriffe sind zurückhaltend eingesetzt und fügen sich organisch in den ansonsten realistischen Stil ein. Auch die Wahl der Schauplätze – etwa die markante Kapelle von Valfréjus als Wohnort der Bildhauerin Kate Karswell – verstärkt die atmosphärische Dichte und verleiht dem Film eine fast märchenhafte Strenge. Narrativ bleibt der Film übersichtlich konstruiert. Die begrenzte Zahl an Figuren reduziert die möglichen Täterkreise und verschiebt den Fokus von der Frage nach dem „Wer“ hin zum „Warum“. Diese Struktur sorgt für Klarheit, nimmt der Auflösung jedoch auch einen Teil ihrer Überraschung. Die Spannung speist sich weniger aus Twists als aus dem langsamen Zusammenfügen der Motive – ein Verfahren, das der ruhigen Erzählweise der Reihe entspricht. „Schwarz wie Schnee 4 – Das Auge des Teufels“ erfindet das Format nicht neu, und genau darin liegt seine Konsequenz. Der Film liefert keine tiefgreifende Figurenentwicklung und keine radikalen ästhetischen Brüche, sondern eine souveräne Variation vertrauter Elemente. Für Serienkenner ist dies ein Gewinn: Wiederkehrende Figuren, bekannte Dynamiken und die geliebte Grenzregion zwischen Frankreich und der Schweiz entfalten erneut ihren Reiz. Für Außenstehende mag der Film konventionell erscheinen, doch innerhalb seines selbst gesetzten Rahmens überzeugt er durch handwerkliche Sicherheit, atmosphärische Geschlossenheit und eine kluge Verknüpfung von regionaler Mythologie und moderner Kriminalität. So bleibt am Ende ein Krimi, der weniger nach Innovation strebt als nach Verlässlichkeit – und gerade darin seine Qualität findet.


SCHWARZ WIE SCHNEE 4: DAS AUGE DES TEUFELS

ET: 05.02.26: digital als Video on Demand zum Kaufen und Leihen
R: Pierre-Louis Pingault | D: Laurent Gerra, Clémentine Poidatz, Nicolas de Broglie
Frankreich 2025 | Atlas Film


AGB | IMPRESSUM