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DVD & BLU-RAY | 25.02.2026

BAD COP
Macht, Mythos und Meth

Zwischen Provinzmythos und Machtfantasie entfaltet „Bad Cop“ eine rabenschwarze Groteske über den amerikanischen Polizeiapparat. Michael Diliberti seziert das Heldennarrativ des Undercover-Ermittlers mit beißendem Humor und moralischer Ambivalenz. Seann William Scott brilliert als charismatischer Regelbrecher in einem System, das selbst aus den Fugen geraten ist.

von Franziska Keil


© PLAION PICTURES

Mit „Bad Cop“ legt der US-amerikanische Regisseur und Koautor Michael Diliberti eine düster-komische Variation des klassischen Cop-Dramas vor, die sich bewusst an der Schnittstelle zwischen Provinzkrimi, Genreparodie und moralischem Sittenbild bewegt. Der Film – ab dem 26. Februar fürs Heimkino erhältlich – verhandelt die Ikonographie des „harten Hundes“ im Polizeidienst ebenso lustvoll wie kritisch und stellt dabei die Frage, ob das System, das Ordnung verspricht, nicht längst selbst in Unordnung geraten ist. Im Zentrum der Handlung steht eine Kleinstadt in Tennessee, deren soziale Struktur vom grassierenden Drogenhandel zersetzt wird. Der lokale Sheriff Sam Evans (Rob Riggle) sieht sich mit einer Meth-Epidemie konfrontiert, die seine institutionellen und persönlichen Ressourcen überfordert. In dieses fragile Gefüge tritt der Undercover-Ermittler Bobby Gaines (Seann William Scott), entsandt von einer übergeordneten Spezialeinheit, ausgestattet mit einem Mandat, das faktisch über dem lokalen Gesetz steht. Der narratologische Impuls ist klassisch: der Fremde kommt in die Stadt. Doch während der Western dieses Motiv häufig als zivilisatorischen Akt inszeniert, unterläuft „Bad Cop“ die Erwartungshaltung. Gaines erscheint als Projektionsfläche eines medial geschulten Heldentypus – schlagfertig, gewaltbereit, souverän in jeder Situation. Die lokale Öffentlichkeit stilisiert ihn rasch zum Retter, während Evans’ langjährige Bindung an die Gemeinschaft verblasst. Damit etabliert der Film eine dialektische Konstellation zwischen ortsgebundener Verantwortung und spektakulärer Effizienz. Seann William Scott spielt Gaines mit einer Mischung aus ironischer Selbstreflexivität und ungebrochener Spielfreude. Seine Figur agiert weniger als Repräsentant des Rechtsstaats denn als Performer eines Action-Mythos. Wenn er eine Kneipenschlägerei gezielt provoziert, um sich Zugang zu kriminellen Milieus zu verschaffen, wird Gesetzesbruch zur strategischen Inszenierung – ein theatrales Mittel, das im Rahmen der Genrelogik nicht sanktioniert, sondern belohnt wird. Hier entfaltet der Film seine eigentliche Ambivalenz: Er exponiert die Grenzüberschreitungen seines Protagonisten deutlich, ohne sie moralisch eindeutig zu verurteilen. Vielmehr entsteht eine Spannung zwischen normativer Ordnung und pragmatischer Effektivität. Die Frage, ob das Ziel die Mittel heiligt, wird nicht didaktisch beantwortet, sondern im Spiel der Figuren ausgetragen.


© PLAION PICTURES

Bemerkenswert ist dabei die Zeichnung der lokalen Polizeikräfte. Anders als viele Genrebeiträge verzichtet „Bad Cop“ darauf, die Provinz als Hort der Inkompetenz zu karikieren. Evans und seine Kollegen arbeiten regelkonform, methodisch, mit einem klaren Verständnis für institutionelle Abläufe. Ihre vermeintliche Schwäche besteht weniger in Dummheit als in einer gewissen Naivität gegenüber der medial aufgeladenen Figur des „Supercops“. Gerade Rob Riggle, der sonst häufig bullige Antagonisten verkörpert, überrascht mit einer zurückgenommenen, beinahe melancholischen Interpretation des gesetzestreuen Beamten. Diese Umkehrung vertrauter Rollenmuster verleiht dem Ensemble eine produktive Reibung. Auch Ethan Suplee setzt als Antagonist markante Akzente und erweitert das Figurenarsenal um eine bedrohliche, zugleich unterschwellig ironische Präsenz. Formal bewegt sich der Film im Modus der schwarzen Komödie. Gewalttätige Eskalationen und pointierte Dialoge stehen in enger Nachbarschaft. Die Derbheit der Sprache – teils exzessiv – erzeugt eine Authentizitätsbehauptung, die jedoch nicht immer dramaturgisch notwendig erscheint. Hier offenbart sich eine gewisse Unentschiedenheit zwischen Milieurealismus und komödiantischer Überzeichnung. Dass die Geschichte lose auf realen Begebenheiten basiert, bleibt dabei letztlich marginal. Der Verweis auf Faktizität fungiert eher als Marketingetikett denn als strukturbildendes Element. Entscheidender ist die innere Logik der Figurenkonstellation, die konsequent auf eine Entzauberung des Heldenmythos hinausläuft: Gaines ist effektiv, aber moralisch fragwürdig; Evans integer, aber machtlos gegenüber den Mechanismen spektakulärer Intervention. In filmwissenschaftlicher Perspektive lässt sich „Bad Cop“ als Kommentar zur gegenwärtigen US-amerikanischen Sicherheitskultur lesen. Der Film reproduziert nicht nur das Narrativ vom starken Einzelnen, der bürokratische Hemmnisse überwindet, sondern macht dessen Attraktivität selbst zum Gegenstand der Beobachtung. Die Begeisterung der Stadtbewohner für den externen „Problemlöser“ verweist auf ein tiefsitzendes Bedürfnis nach klaren, autoritären Lösungen – ein Motiv, das weit über die Genregrenzen hinausweist. Gleichzeitig unterläuft die ironische Brechung eine vollständige Affirmation dieser Haltung. Das Lachen über Gaines’ Exzesse ist stets von einem Rest Unbehagen begleitet. In dieser Schwebe zwischen Faszination und Distanz liegt die eigentliche Qualität des Films.


BAD COP

ET: 26.02.26: DVD, Blu-ray & digital | FSK 16
R: Michael Diliberti | D: Seann William Scott, Johnny Simmons, Rob Riggle
USA 2025 | PLAION PICTURES


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