FILME | SERIEN | MUSIK | BÜCHER | PANORAMA | INTERVIEWS


DVD & BLU-RAY | 04.03.2026

DIE UNFASSBAREN 3 – NOW YOU SEE ME

Mit „Die Unfassbaren 3 – Now You See Me“ kehrt das Staunen zurück. Ruben Fleischer verbindet Heist, Magie und Selbstreflexion zu einem funkelnden Spiel über Täuschung, Glauben und das Kino selbst – ein filmischer Zaubertrick, der noch lange nach dem Abspann nachwirkt und jetzt für das Heimkino erscheint.

von Richard-Heinrich Tarenz


© LEONINE

Wenn am 06. März der dritte Teil der „Die Unfassbaren“-Reihe für das Heimkino als DVD, Blu-ray, 4K UHD, limitiertes 4K UHD Steelbook sowie digital erscheint, schließt sich nicht einfach ein weiteres Kapitel eines glitzernden Heist-Franchise – vielmehr setzt „Die Unfassbaren 3 – Now You See Me“ ein funkelndes Ausrufezeichen hinter die Frage, ob Illusion heute noch als wahrhaftiges Kinoerlebnis gelten kann. In einer Zeit, in der digitale Effekte längst das Magische ersetzt haben, wagt Regisseur Ruben Fleischer das scheinbar Unmögliche: Er lässt uns wieder staunen. Nicht über das, was wir sehen – sondern über das, was wir glauben zu sehen. Schon seit dem ersten Teil von 2013 war die Grundidee bestechend simpel und zugleich berauschend modern: Magier, die ihre Bühnenillusionen in den Dienst des perfekten Verbrechens stellen, und dabei die Grenzen zwischen Show, Betrug und Moral verwischen. Mit dem dritten Film wird diese Prämisse nun erweitert, globalisiert und in gewisser Weise auch reflektiert. Die einstigen „Four Horsemen“, jene charismatische Magiergruppe um Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Merritt McKinney (Woody Harrelson), Jack Wilder (Dave Franco) und Henley Reeves (Isla Fisher), treten erneut in Aktion – diesmal jedoch nicht nur als Künstler, sondern als Legende, die in die nächste Generation übergeht. Neu im Spiel sind Bosco (Dominic Sessa), June (Ariana Greenblatt) und Charlie (Justice Smith), drei junge Magier, die nicht nur technische Virtuosität mitbringen, sondern auch den jugendlichen Trotz einer Generation, die ihre Wunder im digitalen Raum sucht. Gemeinsam müssen sie einen spektakulären Coup durchführen – den Diebstahl eines gigantischen Diamanten aus den Händen einer eiskalten Waffenhändlerin (Rosamund Pike in einer genüsslich überzeichneten Schurkenrolle). Doch „Die Unfassbaren 3“ ist mehr als eine Abfolge glänzender Tricks: Es ist ein Film über das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, über den schmalen Grat zwischen Kontrolle und Chaos, über das Menschliche im Magischen. Wenn Steven Soderberghs „Ocean’s Eleven“ das elegante Kasino-Drama der alten Schule repräsentierte, dann ist „Die Unfassbaren 3“ die logische Weiterentwicklung im Zeitalter des Spektakels. Wo früher der Coup ein Mittel zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit war, ist er hier Teil einer globalen Performance – ein Tanz aus Licht, Betrug und Empathie.


© LEONINE

Fleischer inszeniert das Ganze mit dem Gespür eines Regisseurs, der versteht, dass Täuschung heute weniger im Trick selbst liegt als in der Art, wie wir ihn emotional begreifen. Seine Kamera bleibt in ständiger Bewegung, schwebt durch neonfarbene Metropolen, überfliegt digitale Interfaces und verweilt auf den Gesichtern jener, die zwischen Skepsis und Staunen oszillieren. Das visuelle Konzept des Films erinnert an eine zeitgenössische Zirkusästhetik, in der jede Bewegung choreografiert, jeder Blick kalkuliert, jede Enthüllung ein Teil des nächsten Tricks ist. Dabei gelingt Fleischer etwas, das vielen modernen Blockbustern fehlt: Er nutzt die Illusion als Sprache, nicht als Dekoration. Die Magie dient nicht dem Effekt, sondern der Erkenntnis. In dieser Hinsicht ist „Die Unfassbaren 3“ vielleicht der philosophischste Film der Reihe – ein Werk über den Glauben an das Unglaubliche in einer Welt, die längst aufgehört hat zu glauben. Dass das Schauspielerensemble dabei der eigentliche Zaubertrick des Films ist, überrascht kaum. Jesse Eisenberg bleibt die intellektuelle Achse der Reihe – brillant in seiner nervösen Präzision, zynisch und zugleich sehnsüchtig nach Wahrheit. Woody Harrelson bringt jene anarchische Nonchalance ein, die den Film immer wieder ins Komödiantische kippen lässt, während Isla Fisher und Dave Franco die Balance zwischen Charme und moralischem Zweifel halten. Die Neuzugänge fügen sich erstaunlich harmonisch in das bestehende Gefüge ein. Besonders Ariana Greenblatt, die mit ihrer Rolle in „Barbie“ als jugendlich wache Stimme der Reflexion beeindruckte, überzeugt hier mit einer Mischung aus Energie, Verletzlichkeit und rebellischem Witz. Ihre Figur June ist keine reine Bewunderin der alten Magiergeneration, sondern deren kritisches Echo – eine, die Illusion nicht als Flucht, sondern als Erkenntnis nutzt. Greenblatt, die zu den spannendsten Talenten ihrer Generation zählt, bringt eine ungekünstelte Präsenz ein, die das Ensemble elektrisiert. Justice Smith, zuletzt in „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“ zu sehen, steuert eine fein austarierte Sensibilität bei, die das Spektakel menschlich erdet. Sein Charlie ist der nachdenklichste unter den neuen Magiern – ein Tüftler, ein Träumer, der in der Kunst des Täuschens weniger eine Waffe sieht als eine Form der Selbstbefreiung. Smith gelingt es, seiner Figur Tiefe zu verleihen, ohne sie je sentimental zu überzeichnen – er spielt den Zweifler im System der Wunder.


DIE UNFASSBAREN 3 – NOW YOU SEE ME

ET: 06.03.26: DVD, Blu-ray, 4K UHD, limitiertes 4K UHD Steelbook & digital
R: Ruben Fleischer | D: Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Dave Franco
USA 2025 | LEONINE | FSK 12


AGB | IMPRESSUM