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DVD & BLU-RAY | 08.04.2026

CREATION STORIES
Der Mann, der Oasis entdeckte

Ein Mann, der Popgeschichte nicht nur beobachtete, sondern formte. Zwischen Größenwahn und Gespür entfaltet sich ein Porträt kreativer Energie. „Creation Stories“ zelebriert das Chaos als Motor kultureller Innovation. Ein Biopic, das den Mythos nicht dekonstruiert, sondern produktiv auflädt.

von Franziska Keil


© Pandastorm

Mit „Creation Stories: Der Mann, der Oasis entdeckte“ gelingt Regisseur Nick Moran ein ebenso energetisches wie bewusst stilisiertes Biopic über den legendären Musikproduzenten Alan McGee – eine Figur, deren Einfluss auf die britische Popkultur der 1980er- und 1990er-Jahre kaum zu überschätzen ist. Der Film versteht sich weniger als klassische Lebenschronik denn als rauschhafte Verdichtung eines kulturellen Moments, in dem sich Subkultur, Kommerz und Selbstinszenierung zu einem einzigartigen Gemisch verbanden. Im Zentrum steht McGee als paradoxale Figur: ein Mann, der sich selbst als untalentiert beschreibt und doch über ein untrügliches Gespür für musikalische Innovation verfügt. Diese Dialektik – zwischen Selbstmythologisierung und tatsächlicher kultureller Wirkmacht – bildet das konzeptuelle Rückgrat des Films. Die von Irvine Welsh mitverfasste Drehbuchstruktur folgt dabei keiner linearen Biografie, sondern setzt auf episodische Verdichtung, Rückblenden und assoziative Montage. Diese fragmentarische Erzählweise spiegelt nicht nur die chaotische Dynamik der Musikindustrie wider, sondern inszeniert Erinnerung selbst als performativen Akt. Die Darstellung McGees durch Ewen Bremner erweist sich als zentraler Ankerpunkt der Inszenierung. Bremner verzichtet auf die Glättung der Figur zugunsten einer körperlich wie sprachlich exzentrischen Performance, die zwischen Größenwahn, Witz und Verletzlichkeit oszilliert. In dieser Überzeichnung liegt eine entscheidende Qualität des Films: Er begreift seine Hauptfigur nicht als psychologisch kohärentes Subjekt, sondern als Projektionsfläche für eine Epoche, in der Authentizität selbst zur Inszenierung wurde. Ein besonders prägnanter Moment ist die Darstellung der Entdeckung von Oasis – ein Ereignis, das im kulturellen Gedächtnis längst mythische Züge angenommen hat. Der Film unterläuft bewusst die Erwartung einer heroischen Inszenierung, indem er Zufall, Improvisation und situative Kontingenz betont. Gerade diese Entdramatisierung wirkt als subversiver Kommentar auf die Mechanismen der Legendenbildung im Popdiskurs: Geschichte erscheint hier nicht als stringente Entwicklung, sondern als Aneinanderreihung unwahrscheinlicher Ereignisse.


© Pandastorm

Auch formal operiert „Creation Stories“ in einem Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Exzess. Die Montage ist schnell, teilweise fragmentarisch, durchsetzt mit stilisierten Sequenzen, die das Innenleben der Figur visualisieren. Musik fungiert dabei nicht nur als Soundtrack, sondern als strukturierendes Element der Narration. Die Songs von Bands wie My Bloody Valentine oder Primal Scream sind nicht bloß Referenzen, sondern semantische Marker, die die kulturelle Topografie der Zeit kartieren. Gleichzeitig verzichtet der Film bewusst auf eine tiefgehende psychologische Ausleuchtung. Traumatische Erfahrungen oder biografische Brüche werden eher angedeutet als ausgeführt. Diese Entscheidung mag aus klassisch dramaturgischer Perspektive als Defizit erscheinen, erweist sich jedoch im Kontext der ästhetischen Gesamtstrategie als konsequent: „Creation Stories“ interessiert sich weniger für die Ursachen als für die Effekte – weniger für das Innere als für die performative Oberfläche. In seiner politischen Dimension streift der Film zudem die Verflechtungen von Popkultur und Macht. Die Annäherung zwischen Britpop und der Ära Tony Blair wird als ambivalentes Bündnis inszeniert, in dem kulturelle Rebellion und politische Instrumentalisierung ineinander übergehen. Diese Momente verleihen dem Film eine zusätzliche analytische Schärfe, ohne seine spielerische Leichtigkeit zu unterminieren. So erweist sich „Creation“ Stories als ein Werk, das seine eigene Subjektivität nicht verbirgt, sondern offensiv ausstellt. Es ist weniger ein Film über Wahrheit als über Wahrnehmung, weniger über Geschichte als über deren Inszenierung. Gerade darin liegt seine Stärke: in der Fähigkeit, Popkultur nicht als bloßes Hintergrundrauschen, sondern als eigenständige epistemologische Kategorie ernst zu nehmen. Dass der Film am 10. April als Blu-ray für das Heimkino erscheint, unterstreicht seine nachhaltige Relevanz als audiovisuelles Zeitdokument – ein pulsierendes, bewusst überzeichnetes Porträt einer Ära, in der ein einzelner Mann mit Instinkt und Attitüde den Sound einer Generation mitprägte.


CREATION STORIES: DER MANN, DER OASIS ENTDECKTE

ET: 10.04.26: Blu-ray | FSK 12
R: Nick Moran | D: Ewen Bremner, Leo Flanagan, Richard Jobson
Großbritannien 2021 | Pandastorm


 


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