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DVD & BLU-RAY | 22.04.2026

YANKS - Gestern waren wir noch Fremde

Zwischen Kriegsalltag und flüchtigem Glück entfaltet sich ein leises Beziehungsgeflecht. Ein Film, der den Zweiten Weltkrieg nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im Alltag verortet. Mit feinem Blick für soziale Spannungen und emotionale Zwischentöne.

von Franziska Keil


© 2026 PLAION PICTURES

Mit „Yanks – Gestern waren wir noch Fremde“ gelingt Regisseur John Schlesinger ein Werk, das sich bewusst gegen die dominante Kriegsfilmästhetik seiner Entstehungszeit positioniert. Während das internationale Kino der späten 1970er-Jahre maßgeblich von den Traumata des Vietnamkriegs geprägt war – etwa in „Apocalypse Now“ oder „Die durch die Hölle gehen“ –, wählt Schlesinger einen dezidiert anderen Zugriff: Er verlagert die Perspektive vom Schlachtfeld in den sozialen Mikrokosmos einer englischen Kleinstadt während des Zweiten Weltkriegs. Der Film, der am 23. April als DVD und Blu-ray für das Heimkino erscheint, entfaltet seine narrative Struktur entlang mehrerer miteinander verflochtener Beziehungsgeschichten zwischen amerikanischen Soldaten und britischen Frauen. Diese Konstellation dient jedoch weniger als bloßes romantisches Erzählgerüst denn als analytisches Instrument zur Untersuchung kultureller Begegnungen unter den Bedingungen des Krieges. Die Ankunft der amerikanischen Truppen im England des Jahres 1943 markiert dabei nicht nur einen militärischen, sondern vor allem einen sozialen Einschnitt: Die Begegnung zweier Verbündeter wird von latenten Spannungen, Vorurteilen und unterschiedlichen Lebensentwürfen durchzogen. Filmhistorisch lässt sich „Yanks“ als Weiterführung und Transformation jener britischen Tradition lesen, die Schlesinger selbst in seinen frühen Arbeiten mitgeprägt hat – etwa in A „Nur ein Hauch Glückseligkeit“ oder „Geliebter Spinner“. Die dort entwickelte Sensibilität für Klassenstrukturen, Alltagsrealismus und emotionale Ambivalenzen findet hier eine neue Ausprägung im Kontext eines internationalen Settings. Gleichzeitig ist der Einfluss seiner späteren, in den USA entstandenen Arbeiten – insbesondere Midnight Cowboy – spürbar, etwa in der fein austarierten Figurenzeichnung und der Offenheit gegenüber moralischen Grauzonen. Im Zentrum der filmischen Analyse steht die Darstellung von Intimität unter Ausnahmebedingungen. Die Beziehungen zwischen den Figuren – etwa zwischen dem ambitionierten Soldaten Matthew und der innerlich zerrissenen Jean oder zwischen der verheirateten Helen und dem amerikanischen Offizier John – sind weniger als klassische Romanzen angelegt denn als temporäre Allianzen, die von Unsicherheit, Sehnsucht und sozialer Restriktion geprägt sind.


© 2026 PLAION PICTURES

Der Krieg fungiert hierbei als permanenter Hintergrund, der jede Form von Zukunftsperspektive relativiert und den Moment zur entscheidenden Kategorie erhebt. Besonders hervorzuheben ist die Ensembleleistung des Films. Lisa Eichhorn überzeugt mit einer bemerkenswert nuancierten Darstellung, die kulturelle Differenz und emotionale Nähe gleichermaßen glaubhaft vermittelt. Auch William Devane verleiht seiner Figur eine zurückhaltende Intensität, die sich dem Pathos vieler zeitgenössischer Kriegsdarstellungen entzieht. In der Gesamtheit entsteht ein vielstimmiges Figurenpanorama, das individuelle Geschichten mit kollektiven Erfahrungen verschränkt. Die mise-en-scène zeichnet sich durch eine präzise Rekonstruktion der historischen Lebenswelt aus. Das von Rationierung, sozialen Konventionen und provinzieller Enge geprägte England wird nicht nostalgisch verklärt, sondern als ambivalenter Raum inszeniert, der sowohl Geborgenheit als auch Einschränkung bedeutet. Diese Detailgenauigkeit trägt wesentlich zur Glaubwürdigkeit des Films bei und verankert die persönlichen Geschichten in einem klar definierten historischen Kontext. Zugleich scheut sich „Yanks“ nicht, auch konflikthafte Aspekte anzusprechen. So treten etwa Spannungen innerhalb der amerikanischen Truppen zutage, insbesondere in Bezug auf rassistische Hierarchien, die sich im sozialen Gefüge der Soldaten widerspiegeln. Diese Momente verleihen dem Film eine zusätzliche Tiefe und verhindern eine allzu harmonisierende Darstellung der alliierten Gemeinschaft. Insgesamt erweist sich „Yanks – Gestern waren wir noch Fremde“ als ein bemerkenswertes Beispiel für einen Kriegsfilm, der seine Wirkung nicht aus spektakulären Schlachtenszenen, sondern aus der präzisen Beobachtung zwischenmenschlicher Beziehungen bezieht. Schlesinger gelingt es, historische Erfahrung als gelebten Alltag erfahrbar zu machen und dabei die Komplexität kultureller Begegnungen in Zeiten des Umbruchs herauszuarbeiten. Gerade in seiner leisen, unspektakulären Erzählweise liegt die nachhaltige Qualität dieses Films. Er erweitert das Spektrum des Kriegsfilms um eine Perspektive, die Intimität, Ambivalenz und soziale Realität in den Vordergrund stellt – und sich damit als wichtiger Beitrag zur Filmgeschichte behauptet.


YANKS - GESTERN WAREN WIR NOCH FREMDE

ET: 23.04.26: DVD & Blu-ray | FSK 12
R: John Schlesinger | D: Richard Gere, Vanessa Redgrave, William Devane
Deutschland, USA, Großbritannien 1979 | Plaion Pictures


 


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