Ein Biber,
der keiner ist. Ein Wald, der zum politischen Schlachtfeld wird. Ein
Animationsfilm, der anthropomorphe Konventionen lustvoll zerlegt.
HOPPERS erweitert das Pixar-Universum um eine radikal verspielte Volte
und ist ab dem 19. Juni auf DVD, Blu-ray und als limitiertes Blu-ray
Steelbook erhältlich.
Mit
HOPPERS der ab dem 19. Juni auf DVD, Blu-ray und als limitiertes Blu-ray
Steelbook erhältlich ist, legt Pixar Animation Studios einen
Animationsfilm vor, der das vertraute Paradigma sprechender Tiere
nicht einfach fortführt, sondern metareflexiv auflädt und
narrativ destabilisiert. Regisseur Daniel Chong entfaltet ein Werk,
das die Tradition anthropomorpher Tierfiguren – von Bambi über
The Lion King bis hin zu Ratatouille – kennt, sie zitiert und
zugleich unterläuft. Im Zentrum steht Mabel, vermeintlich ein
redseliger Biber, tatsächlich jedoch eine neunzehnjährige
Aktivistin, deren Bewusstsein mittels einer experimentellen Technologie
in den Körper eines tierischen Androiden transferiert wird. Damit
etabliert der Film eine doppelte Verschiebung: Nicht nur spricht ein
Tier wie ein Mensch – ein vertrautes Motiv des Animationskinos
–, sondern ein Mensch bewohnt ein künstliches Tier, das
innerhalb der Diegese als „natürlich“ wahrgenommen
wird. Diese Konstruktion erzeugt eine komplexe Schichtung von Identität:
Mensch -> Maschine -> Tier. Das Tierische wird zur Oberfläche,
das Technologische zum Medium, das Menschliche zum verborgenen Kern.
Filmwissenschaftlich betrachtet operiert Hoppers damit auf einer Metaebene
des Anthropomorphismus. Während klassische Animationsfilme Tiere
humanisieren, problematisiert Chong die Bedingungen dieser Humanisierung
selbst. Die Figur ist nicht „natürlich“ vermenschlicht;
sie ist ein bewusst eingesetzter Avatar. Narrativ eingebettet ist
dieses Identitätsspiel in eine ökologische Konfliktkonstellation:
Ein idyllischer Wald, emotionaler Erinnerungsort der Protagonistin,
soll einem infrastrukturellen Großprojekt weichen. Der antagonistische
Bürgermeister – gesprochen von Jon Hamm – verkörpert
eine politisch opportunistische Rationalität, die Natur in verwertbare
Fläche übersetzt. Hier entfaltet der Film seine gesellschaftliche
Relevanz. Der Wald ist nicht bloß Kulisse, sondern ökologisches
Gefüge, dessen Gleichgewicht – symbolisiert durch einen
Biberdamm als zentrales Habitat-Element – bedroht ist. Die Tiere
organisieren sich politisch, bilden Räte, verhandeln Macht und
Moral. Die Ökologie wird zur Polis. In dieser Konstellation erscheint
Mabel als liminale Figur: zugleich Insiderin und Fremdkörper,
Aktivistin und getarnte Beobachterin. Was „Hoppers“ ästhetisch
auszeichnet, ist seine Bereitschaft zur radikalen Eskalation. Die
Prämisse – ohnehin von spielerischer Absurdität –
wird nicht psychologisch plausibilisiert, sondern mit nonchalanter
Selbstverständlichkeit akzeptiert.
Der
Film folgt einer Logik der permanenten Steigerung: Tiermonarchien,
egomanische Insektenherrscherinnen (mit der Stimme von Meryl Streep),
hyperbolische Verfolgungsjagden, in denen selbst Meeresräuber
zu automobilen Projektionsflächen werden. Diese Momente sind
keine bloßen Gags, sondern Ausdruck einer bewusst entfesselten
Animationsästhetik. Chong nutzt die Freiheit des Mediums, um
physikalische, biologische und narrative Grenzen zu überschreiten.
Das Resultat ist ein Werk, das in seiner Überdrehtheit an die
anarchische Energie klassischer Cartoon-Traditionen erinnert, zugleich
jedoch eine präzise choreografierte Dramaturgie beibehält.
sehen. Bemerkenswert ist die stimmliche Ausgestaltung der Figuren.
Piper Curda verleiht Mabel eine Mischung aus Trotz, moralischem Furor
und jugendlicher Verletzlichkeit. Ihre Performance oszilliert zwischen
punkiger Rebellion und existenzieller Suchbewegung. Bobby Moynihan
gestaltet den Biberkönig als melancholischen Idealisten, dessen
Toleranzethos in einer Welt ökologischer Bedrohung beinahe tragisch
wirkt. Die Polyphonie der Stimmen erzeugt ein Spannungsfeld zwischen
Satire und Ernst. Selbst der zunächst eindimensional erscheinende
Bürgermeister erhält im Verlauf narrative Tiefenschärfe.
Der Film verweigert die simple Dichotomie von Gut und Böse zugunsten
einer Dynamik, in der Kooperation als prekäre, aber notwendige
Praxis erscheint. Thematisch kulminiert HOPPERS in der Idee kollektiver
Verantwortung. Doch diese Botschaft wird nicht didaktisch formuliert,
sondern formal eingelöst: Die Dramaturgie gleicht einer Achterbahnfahrt,
deren disparate Figuren und Handlungsstränge sich in einem komplexen
Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten verschränken. Gemeinschaft
ist hier kein sentimentales Ideal, sondern ein strukturelles Prinzip
der Narration. In dieser Hinsicht steht HOPPERS in einer Linie mit
ambitionierten Pixar-Arbeiten, die das Innenleben ihrer Figuren ernst
nehmen, ohne auf visuelle Kühnheit zu verzichten. Er demonstriert
eindrucksvoll, welches Innovationspotenzial im Animationskino weiterhin
liegt. HOPPERS ist mehr als ein weiterer Eintrag im Repertoire sprechender
Tiere. Der Film reflektiert die Bedingungen seiner eigenen Bildwelt,
verbindet ökologische Dringlichkeit mit surrealer Komik und entfaltet
eine vielschichtige Meditation über Identität im Zeitalter
technischer Vermittlung. Dass ein Animationsfilm derart spielerisch
zwischen politischer Allegorie, Medientheorie und Slapstick changieren
kann, zeugt von der ungebrochenen Kreativität seines Studios.
Wenn Pixar seine ästhetischen Motoren auf diese Weise hochdreht,
entsteht Kino, das zugleich unterhält und intellektuell stimuliert.
HOPPERS
ET:
19.06.26: DVD, Blu-ray und als limitiertes Blu-ray Steelbook | FSK
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R: Daniel Chong | Animationsfilm
USA 2026 | Walt Disney / LEONINE