Zwischen
schwarzer Komödie und sozialer Diagnose entfaltet sich ein Spiel
um Gier und Zugehörigkeit. Ein Film, der das Verbrechen als Symptom
gesellschaftlicher Ordnungen liest. HOW TO MAKE A KILLING verbindet
narrative Raffinesse mit bitterer Ironie. Ein ebenso unterhaltsames
wie beunruhigendes Porträt moderner Aufstiegsfantasien.
Mit
HOW TO MAKE A KILLING – TODSICHERES ERBE legt Regisseur John
Patton Ford eine ebenso pointierte wie vielschichtige schwarze Komödie
vor, die ihre Genremechanik als Vehikel für eine präzise
Analyse sozialer Dynamiken nutzt. Bereits mit „Emily The Criminal“
hatte Ford ein feines Gespür für die Wechselwirkungen zwischen
ökonomischem Druck und moralischer Erosion bewiesen; sein neuer
Film führt diese Linie fort und radikalisiert sie zugleich, indem
er das Motiv des sozialen Aufstiegs mit einem dezidiert kriminellen
Impuls verschränkt. Die Erzählstruktur des Films ist von
bemerkenswerter Komplexität. Anstatt einer linearen Progression
folgt die Handlung einer retrospektiven Logik, die sich aus einem
bekenntnishaften Erzählen speist. Diese Rahmung erzeugt eine
doppelte Zeitlichkeit: Das Geschehen erscheint zugleich als bereits
abgeschlossen und doch in seiner Genese nachvollziehbar. Der Zuschauer
wird so in eine Position versetzt, die zwischen Wissen und Spannung
oszilliert – ein Verfahren, das weniger auf Überraschung
als auf Erkenntnis zielt. Die Entscheidung, den narrativen Einstieg
nahe am Ende der Handlung zu setzen, verstärkt diesen Effekt.
Der Film interessiert sich weniger für das „Was“
als für das „Warum“: Welche psychologischen, sozialen
und ökonomischen Faktoren treiben eine Figur dazu, moralische
Grenzen zu überschreiten? Im Zentrum steht Beckett Redfellow,
gespielt von Glen Powell, eine Figur, die sich an der Peripherie jener
sozialen Sphäre bewegt, zu der sie zu gehören glaubt. Diese
prekäre Position bildet den Ausgangspunkt einer Erzählung,
die sich mit bemerkenswerter Präzision den Mechanismen von Klassenzugehörigkeit
widmet. Der Film entwirft ein Szenario, in dem Herkunft nicht nur
als biografische Tatsache, sondern als strukturelle Begrenzung erscheint.
Der Tod der Mutter fungiert dabei als initialer Impuls, der Beckett
auf einen radikalen Pfad führt. Ihr Vermächtnis –
die Aufforderung, ein „richtiges“ Leben zu erreichen –
wird zur ideologischen Triebfeder eines Projekts, das die Grenzen
zwischen legitimer Ambition und destruktiver Gier zunehmend verwischt.
In dieser Zuspitzung offenbart der Film eine zentrale These: Der Wunsch
nach sozialem Aufstieg kann, unter bestimmten Bedingungen, in eine
Logik der Gewalt umschlagen. Powells Darstellung operiert im Spannungsfeld
von Authentizität und Maskerade. Seine Figur ist gezwungen, unterschiedliche
Rollen anzunehmen, sich situativ anzupassen und Identität als
performativen Akt zu begreifen. Diese Vielschichtigkeit verleiht der
Figur eine ambivalente Qualität: Beckett ist zugleich Täter
und Produkt eines Systems, das Anpassung und Täuschung belohnt.
An
seiner Seite entwickelt Margaret Qualley eine faszinierende Variation
der Femme-fatale-Figur, die klassische Genremuster aufnimmt und zugleich
unterläuft. Ihr Spiel bewegt sich zwischen spielerischer Leichtigkeit
und latenter Bedrohung, wodurch eine Dynamik entsteht, die den Film
immer wieder in unerwartete Richtungen lenkt. Auch die Beziehung zu
Ruth, dargestellt von Jessica Henwick, fungiert als emotionaler Anker.
Sie verkörpert eine alternative Perspektive auf Becketts Handeln
und eröffnet einen Möglichkeitsraum jenseits der Logik von
Gier und Gewalt. In dieser Konstellation gewinnt der Film eine moralische
Dimension, ohne in didaktische Eindeutigkeit zu verfallen. Eine der
größten Stärken des Films liegt in seiner Fähigkeit,
disparate Tonlagen miteinander zu verbinden. Die Komik speist sich
häufig aus der Absurdität der Situationen sowie aus pointierten
Nebenfiguren, verkörpert etwa von Topher Grace und Zach Woods.
Ihre Auftritte erzeugen Momente der Leichtigkeit, die jedoch nie die
zugrunde liegende Ernsthaftigkeit des Themas unterminieren. Gleichzeitig
wird Gewalt mit einer beinahe nüchternen Selbstverständlichkeit
inszeniert. Diese ästhetische Entscheidung verhindert eine Sensationalisierung
und trägt dazu bei, die moralische Ambivalenz des Geschehens
zu unterstreichen. Gewalt erscheint nicht als Ausnahme, sondern als
integraler Bestandteil eines Systems, das auf Konkurrenz und Ausschluss
basiert. Im weiteren Verlauf verdichtet sich der Film zu einer Reflexion
über die zyklische Natur sozialer Ungleichheit. Der Versuch,
aus einer marginalisierten Position auszubrechen, reproduziert letztlich
jene Strukturen, die er zu überwinden sucht. Diese Erkenntnis
verleiht dem Film eine leise Melancholie, die über die unmittelbare
Handlung hinausweist. Die Parallelen zu Fords früherem Werk sind
dabei unübersehbar, doch HOW TO MAKE A KILLING entwickelt eine
eigenständige Perspektive, indem er die individuelle Geschichte
stärker in einen strukturellen Kontext einbettet. Das Verbrechen
wird hier nicht als Ausnahmezustand inszeniert, sondern als logische
Konsequenz eines Systems, das permanenten Wettbewerb und ungleiche
Ausgangsbedingungen erzeugt. Der Film, der für das Heimkino auf
4K UHD, DVD, Blu-ray und digital erschienen ist, trifft einen Nerv,
indem er individuelle Schicksale mit strukturellen Bedingungen verschränkt
und dabei stets unterhaltsam bleibt.
HOW TO MAKE A KILLING - TODSICHERES ERBE
ET:
25.06.26: digital / 09.07.26: 4K UHD, Blu-ray & DVD | FSK 12
R: John Patton Ford | D: Glen Powell, Margaret Qualley, Jessica
Henwick
Großbritannien, Frankreich, USA 2025 | STUDIOCANAL