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DVD & BLU-RAY | 30.07.2025

WARFARE
Die Anatomie des Kampfes

Ein Kriegsepos von unerhörter Körperlichkeit: „Warfare“ zwingt sein Publikum mitten hinein in die Staubwolken, den Pulsschlag und die Düsternis eines realen Einsatzes im Irakkrieg. Garland und Mendoza entwerfen ein Kino der unmittelbaren Erfahrung, fern jeder Heroisierung, nah an der existenziellen Wahrheit des Kampfes. Ein formal radikaler Ausnahmefilm, der den Krieg nicht erklärt – sondern fühlbar macht.

von Franziska Keil


© 2025 LEONINE Studios

Mit „Warfare“, ab dem 1. August auf DVD, Blu-ray, 4K UHD Blu-ray und digital erhältlich, gelingt Alex Garland und Ray Mendoza ein seltenes Kunststück: ein Kriegsfilm, der sich nicht auf das Genre, sondern auf den Krieg selbst konzentriert. Was sie erschaffen, ist ein Werk, das an die Grenzen filmischer Darstellbarkeit vordringt – ein Film, der den Zuschauer nicht einfach konfrontiert, sondern in die psychophysische Realität des Kampfes hineinpresst. Es ist ein Kino, das den Atem beschleunigt, die Muskeln anspannt und die Sinne übersteuert. In seiner unmittelbaren Wucht steht „Warfare“ in der Tradition jener wenigen Kriegsfilme, die mehr sind als dramatische Rekonstruktionen – Werke wie „Saving Private Ryan“, „Come and See“ oder „Im Westen nichts Neues“. Doch Garland und Mendoza gehen einen Schritt weiter: Sie verzichten nahezu vollständig auf emotionale Entlastung, politischen Kontext oder klassische Figurenentwicklung. Diese Absage an die etablierten Narrative des Kriegsfilms ist nicht nur mutig, sondern programmatisch. „Warfare“ erzählt von einer Mission, nicht von einer Botschaft.

In den meisten Kriegsdramen existiert ein unausgesprochenes Versprechen: Dass die Grausamkeit des Kampfes am Ende durch Sinngebung oder patriotische Vision abgefedert wird. Garland und Mendoza verweigern diese Entlastung radikal. Sie bieten weder Heldenmythos noch historisches Urteil. Ihr Film basiert auf einer realen Operation im Jahr 2006 in Ramadi – aber er erklärt sie nicht. Er zeigt sie. Diese Reduktion auf den Moment erzeugt eine ungewöhnliche, beinahe dokumentarische Intensität. Ohne erklärende Rückblenden oder biografische Ankerpunkte werden die Navy Seals nicht zu erzählerischen Figuren, sondern zu Instrumenten der militärischen Logistik – und damit zu Teilchen in einem System permanenter Bedrohung. Das Ergebnis ist ein Film, der nicht über Krieg spricht, sondern Krieg erfahren lässt.


© 2025 LEONINE Studios

Obwohl „Warfare“ seine Protagonisten kaum charakterisiert, wirkt das Ensemble erstaunlich lebendig. Die Darsteller – darunter D’Pharaoh Woon-A-Tai, Will Poulter, Joseph Quinn, Cosmo Jarvis, Kit Connor und Charles Melton – entsprechen nicht traditionellen Figurenprofilen, sondern fungieren wie Bausteine einer funktionierenden Kriegsmaschine. Diese Männer leben über Rhythmen, Routinen und Reflexe – und der Film bildet genau diese Mechanik ab. Der Krieg wird zur Choreografie der Anspannung, zur Kunst des koordinierten Überlebens. Garland und Mendoza entfesseln eine filmische Direktheit, die sich fast vollständig auf Körperlichkeit und Tonspur konzentriert. Die visuelle Sprache nähert sich dem sensorischen Realismus von Dokumentarfilmen wie „Restrepo“ an. Dass der Film auf klassische Dramaturgie verzichtet, verstärkt seine Wirkung: Er dauert, er wühlt, er wiederholt – ganz wie der echte Einsatz, den er rekonstruiert.

Bemerkenswert ist die Abwesenheit politischer Positionierung. „Warfare“ meidet Syrien, Irakpolitik, US-Außenpolitikkritik oder moralische Urteile. Diese Leerstelle wird zur präzisen künstlerischen Entscheidung: Der Krieg selbst steht im Zentrum, nicht seine Rechtfertigung. Der Schluss des Films verdichtet diese Leere in einer einzigen Frage. Eine irakische Frau, deren Haus als Einsatzbasis missbraucht wurde, fragt einen amerikanischen Soldaten: Warum? Er schweigt. Der Film schweigt mit ihm. Die Ohnmacht dieses Moments beschreibt den Kern von „Warfare“: ein Krieg, der nicht erklärt werden kann, weil er als Erfahrung jede Erklärung überschattet.

FAZIT

„Warfare“ ist ein filmisches Experiment, das zu den eindrucksvollsten Kriegsdarstellungen der letzten Jahrzehnte gehört. Garland und Mendoza gelingt ein Werk, das jede heroische Pose abschafft und damit die existenzielle, rohe Wahrheit des Kampfes freilegt. Der Film ist unbequem, atemberaubend, rhythmisch, brutal – und gerade dadurch ein Meilenstein. Er bietet keine Deutung, keine Erlösung, keine moralische Belehrung. Er zeigt, was Krieg ist, wenn alles andere abgezogen wurde: eine Erfahrung, die man überleben muss, um sie überhaupt erzählen zu können.


WARFARE

ET: 01.08.25: DVD, Blu-ray, 4K UHD Blu-ray und digital | FSK 16
R: Ray Mendoza, Alex Garland | D: D'Pharaoh Woon-A-Tai, Charles Melton, Joseph Quinn
USA 2025 | LEONINE


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