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KINO | 13.01.2026

DAS UNGESAGTE
Special-Screening mit Regiegespräch am 18. Januar 2026 in Köln

Ein Dokumentarfilm als seelische Archäologie: DAS UNGESAGTE legt die verdrängten Denk- und Gefühlsräume der deutschen Mehrheitsgesellschaft im Nationalsozialismus frei. Das Kölner Special-Screening mit Regiegespräch macht das Kino zum Ort einer notwendigen, unbequemen Erinnerung.

von Franziska Keil


© lothar herzog filmproduktion GmbH

Am 18. Januar 2026 wird Köln zum Ort einer filmischen Auseinandersetzung von besonderer Dringlichkeit: Das Dokumentarfilmprojekt DAS UNGESAGTE wird im Rahmen eines Special-Screenings präsentiert, begleitet von einem Regiegespräch mit Patricia Hector und Lothar Herzog. Die Veranstaltung versteht sich weniger als klassische Filmvorführung denn als Einladung zu einer vertieften Reflexion über blinde Flecken der deutschen Erinnerungskultur – und über das lange Schweigen, das Generationen geprägt hat. Im Zentrum von DAS UNGESAGTE steht eine Perspektive, die in der filmischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung des Nationalsozialismus bis heute erstaunlich randständig geblieben ist: jene der damaligen Mehrheitsgesellschaft, der Mitläuferinnen und Mitläufer, der Begeisterten, der Profiteure – und derjenigen, die nach 1945 schwiegen. Der Film wählt bewusst keinen historischen oder chronologisch erklärenden Ansatz, sondern eine psychologische Annäherung an innere Zustände, Haltungen und Selbstdeutungen. Was dachten diese Menschen wirklich? Wie fühlten sie sich? Und wie blicken sie heute auf ihre eigene Involviertheit in das NS-Regime zurück? Die Aussagen, die der Film versammelt, sind von einer irritierenden Offenheit geprägt. Sie oszillieren zwischen moralischem Zwiespalt, verdrängter Schuld, biografischer Beschönigung und unvermittelter Ehrlichkeit. DAS UNGESAGTE verzichtet dabei auf didaktische Kommentierung oder eindeutige Wertungen. Stattdessen legt er die inneren Widersprüche frei, die sich aus individuellem Erleben, kollektiver Ideologie und nachträglicher Rationalisierung ergeben. Gerade diese Zurückhaltung macht den Film so wirksam: Er zwingt zur eigenen Positionierung. Eine besondere Stärke des Films liegt in der Gegenüberstellung dieser Stimmen mit den Berichten jüdischer Überlebender.


© lothar herzog filmproduktion GmbH

Erst durch die Verbindung beider Perspektiven werden jene Leerstellen sichtbar, die bis heute fortwirken – nicht nur in familiären Erzählungen, sondern auch im öffentlichen Gedächtnis. Die Reibung zwischen Mehrheits- und Opferperspektive erzeugt Erkenntnisse, die ebenso verstörend wie notwendig sind und die den Film über eine rein dokumentarische Bestandsaufnahme hinausheben. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen erhält DAS UNGESAGTE zusätzliche Brisanz. Die erneute Sichtbarkeit rechtsextremer Ideologien verleiht der Frage nach damaliger Zustimmung, Begeisterung und Anpassung eine beunruhigende Gegenwärtigkeit. Hector und Herzog verorten ihre Arbeit explizit in diesem Spannungsfeld: Das Verstehen historischer Denk- und Gefühlsmuster wird hier als Voraussetzung begriffen, um gegenwärtigen und zukünftigen Gefährdungen der Demokratie wirksam zu begegnen. Filmhistorisch fügt sich DAS UNGESAGTE in eine noch junge, aber zunehmend relevante Strömung ein. Werke wie Luke Hollands „Final Account“ oder Jonathan Glazers „The Zone of Interest“ haben begonnen, den Blick von den bekannten Täter- und Opferbildern weg hin zu den Grauzonen der gesellschaftlichen Beteiligung zu verschieben. DAS UNGESAGTE radikalisiert diesen Ansatz, indem er den Fokus konsequent auf das Innenleben der Beteiligten richtet – und dabei möglicherweise ein letztes filmisches Zeugnis dieser Generation vorlegt. Das anschließende Regiegespräch in Köln bietet die Gelegenheit, diesen Ansatz zu vertiefen: Fragen nach ethischer Verantwortung, filmischer Form, Auswahl der Protagonistinnen und Protagonisten sowie nach den Grenzen des Darstellbaren stehen dabei ebenso im Raum wie die Rolle des Kinos als Ort kollektiver Selbstbefragung. In einer Zeit, in der Erinnerung zunehmend ritualisiert und zugleich politisiert wird, markiert dieses Special-Screening einen wichtigen Moment des Innehaltens. DAS UNGESAGTE ist kein Film, der Antworten liefert. Er legt offen, was jahrzehntelang verschwiegen wurde – und überlässt es dem Publikum, aus dieser Offenlegung Konsequenzen zu ziehen. Gerade darin liegt seine nachhaltige Wirkung.


DAS UNGESAGTE

Start: 06.11.25 | FSK 12
R: Lothar Herzog, Patricia Hector | Dokumentarfilm
Deutschland 2025 | imFilm


 


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