DAS
UNGESAGTE
Special-Screening mit Regiegespräch am 18. Januar
2026 in Köln
Ein Dokumentarfilm
als seelische Archäologie: DAS UNGESAGTE legt die verdrängten
Denk- und Gefühlsräume der deutschen Mehrheitsgesellschaft
im Nationalsozialismus frei. Das Kölner Special-Screening mit
Regiegespräch macht das Kino zum Ort einer notwendigen, unbequemen
Erinnerung.
Am
18. Januar 2026 wird Köln zum Ort einer filmischen Auseinandersetzung
von besonderer Dringlichkeit: Das Dokumentarfilmprojekt DAS UNGESAGTE
wird im Rahmen eines Special-Screenings präsentiert, begleitet
von einem Regiegespräch mit Patricia Hector und Lothar Herzog.
Die Veranstaltung versteht sich weniger als klassische Filmvorführung
denn als Einladung zu einer vertieften Reflexion über blinde
Flecken der deutschen Erinnerungskultur – und über das
lange Schweigen, das Generationen geprägt hat. Im Zentrum von
DAS UNGESAGTE steht eine Perspektive, die in der filmischen und gesellschaftlichen
Aufarbeitung des Nationalsozialismus bis heute erstaunlich randständig
geblieben ist: jene der damaligen Mehrheitsgesellschaft, der Mitläuferinnen
und Mitläufer, der Begeisterten, der Profiteure – und derjenigen,
die nach 1945 schwiegen. Der Film wählt bewusst keinen historischen
oder chronologisch erklärenden Ansatz, sondern eine psychologische
Annäherung an innere Zustände, Haltungen und Selbstdeutungen.
Was dachten diese Menschen wirklich? Wie fühlten sie sich? Und
wie blicken sie heute auf ihre eigene Involviertheit in das NS-Regime
zurück? Die Aussagen, die der Film versammelt, sind von einer
irritierenden Offenheit geprägt. Sie oszillieren zwischen moralischem
Zwiespalt, verdrängter Schuld, biografischer Beschönigung
und unvermittelter Ehrlichkeit. DAS UNGESAGTE verzichtet dabei auf
didaktische Kommentierung oder eindeutige Wertungen. Stattdessen legt
er die inneren Widersprüche frei, die sich aus individuellem
Erleben, kollektiver Ideologie und nachträglicher Rationalisierung
ergeben. Gerade diese Zurückhaltung macht den Film so wirksam:
Er zwingt zur eigenen Positionierung. Eine besondere Stärke des
Films liegt in der Gegenüberstellung dieser Stimmen mit den Berichten
jüdischer Überlebender.
Erst
durch die Verbindung beider Perspektiven werden jene Leerstellen sichtbar,
die bis heute fortwirken – nicht nur in familiären Erzählungen,
sondern auch im öffentlichen Gedächtnis. Die Reibung zwischen
Mehrheits- und Opferperspektive erzeugt Erkenntnisse, die ebenso verstörend
wie notwendig sind und die den Film über eine rein dokumentarische
Bestandsaufnahme hinausheben. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher
Entwicklungen erhält DAS UNGESAGTE zusätzliche Brisanz.
Die erneute Sichtbarkeit rechtsextremer Ideologien verleiht der Frage
nach damaliger Zustimmung, Begeisterung und Anpassung eine beunruhigende
Gegenwärtigkeit. Hector und Herzog verorten ihre Arbeit explizit
in diesem Spannungsfeld: Das Verstehen historischer Denk- und Gefühlsmuster
wird hier als Voraussetzung begriffen, um gegenwärtigen und zukünftigen
Gefährdungen der Demokratie wirksam zu begegnen. Filmhistorisch
fügt sich DAS UNGESAGTE in eine noch junge, aber zunehmend relevante
Strömung ein. Werke wie Luke Hollands „Final Account“
oder Jonathan Glazers „The Zone of Interest“ haben begonnen,
den Blick von den bekannten Täter- und Opferbildern weg hin zu
den Grauzonen der gesellschaftlichen Beteiligung zu verschieben. DAS
UNGESAGTE radikalisiert diesen Ansatz, indem er den Fokus konsequent
auf das Innenleben der Beteiligten richtet – und dabei möglicherweise
ein letztes filmisches Zeugnis dieser Generation vorlegt. Das anschließende
Regiegespräch in Köln bietet die Gelegenheit, diesen Ansatz
zu vertiefen: Fragen nach ethischer Verantwortung, filmischer Form,
Auswahl der Protagonistinnen und Protagonisten sowie nach den Grenzen
des Darstellbaren stehen dabei ebenso im Raum wie die Rolle des Kinos
als Ort kollektiver Selbstbefragung. In einer Zeit, in der Erinnerung
zunehmend ritualisiert und zugleich politisiert wird, markiert dieses
Special-Screening einen wichtigen Moment des Innehaltens. DAS UNGESAGTE
ist kein Film, der Antworten liefert. Er legt offen, was jahrzehntelang
verschwiegen wurde – und überlässt es dem Publikum,
aus dieser Offenlegung Konsequenzen zu ziehen. Gerade darin liegt
seine nachhaltige Wirkung.