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BELLETRISTIK | 06.08.2025

Romantisch, chaotisch und zermürbend
HERO: EINE LIEBESGESCHICHTE

Kann man auch als Ehefrau selbstbestimmt und feministisch bleiben? Diese Frage stellt sich Protagonistin Hero, als ihr Freund um ihre Hand anhält. Denn sie könnte sich nichts Schlimmeres vorstellen, als ihre Identität zu verlieren und plötzlich im Titel der „Frau von“ gefangen zu sein. Sieben Tage Bedenkzeit sollen ihr mehr Klarheit darüber verschaffen, was sie wirklich von ihrer Beziehung und dem Leben will. Ein Balanceakt zwischen Emanzipation, Liebe und Kompromissen.

von Tara Yakar

HERO frustriert. Weil die Geschichte nahbar, real und gleichzeitig unklar ist. Hero stellt Fragen, die vielen Frauen vertraut vorkommen: Wer bin ich ohne ihn? Was will ich wirklich? Was wird von mir erwartet? Doch die Antworten verstecken sich zwischen Gedankensprüngen, poetischen Bildern und einem brüchigen Plot. Gerade wenn man sich einfindet, verliert man wieder den Halt. Die wörtliche Rede verschwimmt oft mit dem Fließtext, Szenen und Zeiten wechseln abrupt – man liest suchend, nicht fließend. Die wörtliche Rede lässt sich oftmals nicht vom restlichen Text abgrenzen und auch die Zeitsprünge und Szenenwechseln luden dazu ein sich irgendwo zwischen den Seiten zu verlieren. Der Roman wirkt chaotisch, das Lesen zu struktursuchend. Trotzdem bringt Buckley es mit vielen Sätzen auf den Punkt. Direkt und durch die Blume, denn ihr Schreibstil ist wunderschön, eindrücklich und voller Poesie. Erst als ich begann, HERO weniger als klassischen Roman und mehr als literarischen Monolog zu lesen, fiel mir das Eintauchen leichter. Betrachtet man einzelne Absätze wie kleine Gedichte, entfaltet sich der Zauber des Textes - so sehr, dass die eigentliche Handlung zur Nebensache wurde. Als Roman funktioniert HERO nur bedingt, dafür fehlt die strukturelle Klarheit. Aber als Gedankenstrom, als feministische Selbstbefragung in sprachlich starker Form, lohnt sich das Durchhalten. Denn wer bereit ist, sich durch das Chaos zu lesen, wird mit mutigen Gedanken belohnt.

KATIE BUCKLEY
Autorin Katie Buckley wurde in Fowey, Cornwall, geboren und wuchs in Kanada und Großbritannien auf. Sie studierte kreatives Schreiben an der Royal Holloway University in London, wo sie 2021 das Stipendium Principal’s Master Scholar bekam. Ihr feministischer Debütroman „Hero: Eine Liebesgeschichte“ erschien am 25. Juli im pola Verlag.


HERO
Eine Liebesgeschichte

Katie Buckley (Autorin) | pola | 224 Seiten


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