VIDEOSPIELE
| 12.08.2026
gamescom
2026
Köln wird wieder zum Zentrum der Games-Welt
Vom
26. bis 30. August verwandelt die gamescom Köln erneut in die internationale
Hauptstadt der Games-Branche. Bereits vor dem Start zeichnet sich ein
neuer Rekord ab: Die verfügbare Ausstellungsfläche ist vollständig
ausgebucht. Mit gamescom dev und gamescom congress reicht das Programm
weit über Spielepräsentationen hinaus – von Entwicklerwissen
bis zur gesellschaftspolitischen Debatte. Und während Millionen
Fans Neuheiten, Shows, Cosplay und Speedruns erwarten, geht es hinter
den Kulissen um nichts weniger als die Zukunft einer ganzen Industrie.
von
Richard-Heinrich Tarenz & Jörn Szardenings

©
Koelnmesse GmbH, Oliver Wachenfeld
Ein
Festival zwischen Blockbuster, Business und Zukunftsversprechen
Wenn sich in wenigen Tagen die
Tore der Koelnmesse öffnen, wird Köln für fünf Tage
zum globalen Brennpunkt einer Branche, deren kulturelle und ökonomische
Bedeutung längst über das klassische Bild des Computerspielens
hinausgewachsen ist. Die gamescom 2026 findet vom 26. bis 30. August
statt; bereits am 25. August läutet die „Opening Night Live“
den öffentlichen Teil der Veranstaltung ein. Der Auftakt der gesamten
gamescom-Woche erfolgt allerdings noch früher: Vom 23. bis 25.
August versammelt die gamescom dev Entwicklerinnen und Entwickler sowie
weitere Fachleute der internationalen Games-Industrie auf dem Messegelände.
Die Dimension des diesjährigen Ereignisses ist dabei schon vor
dem ersten Messetag bemerkenswert. Nach der Flächenerweiterung
des vergangenen Jahres sind die für 2026 verfügbaren Ausstellungsflächen
nach Angaben der Veranstalter vollständig vergeben. Die Nachfrage
der Unternehmen ist damit nicht nur ungebrochen, sondern offenbar so
stark, dass gamescom und game – Verband der deutschen Games-Branche
bereits über eine weitere Expansion ab 2027 nachdenken. Es geht
dabei nicht lediglich um zusätzliche Quadratmeter: Mit dem Wachstum
müssen Infrastruktur, Besucherführung, Aufenthaltsqualität
und die Balance zwischen kommerzieller Präsentation und Community-Erlebnis
gleichermaßen weiterentwickelt werden. Dass diese Entwicklung
für Köln von erheblicher Bedeutung ist, liegt auf der Hand.
Die gamescom ist längst mehr als eine klassische Publikumsmesse,
auf der Publisher ihre kommenden Titel präsentieren. Sie ist zugleich
B2C-Festival, Business-Plattform und politischer Begegnungsort –
eine ungewöhnlich komplexe Gemengelage, in der Fachgespräche
über Geschäftsmodelle und Technologie unmittelbar neben Cosplay,
Live-Shows und dem Anspielen kommender Spiele stattfinden. Die Veranstalter
stellen die Ausgabe 2026 unter das Leitmotiv „Games machen Lust
auf Zukunft“. Das ist als programmatische Selbstbeschreibung durchaus
folgerichtig: Während andere Teile der Unterhaltungsindustrie mit
der Frage ringen, wie sich technologische Umbrüche, veränderte
Geschäftsmodelle und die zunehmende Bedeutung künstlicher
Intelligenz bewältigen lassen, präsentiert sich die Games-Branche
traditionell als Zukunftsindustrie – und zwar eine, die neue Technologien
nicht nur diskutiert, sondern sie in kurzer Innovationszyklen unmittelbar
in Produkte und kulturelle Erfahrungen übersetzt.
Ein
Ausstellerfeld, das die globale Branche abbildet
Die Liste der bislang bestätigten
Unternehmen liest sich entsprechend wie ein Querschnitt durch die internationale
Games-Wirtschaft. Zu den neu hinzugekommenen Ausstellern zählen
unter anderem Aerosoft, Embark Studios, GIANTS Software, Konami, Level
Infinite, NC und Tencent Games. Sie stoßen zu einer bereits umfangreichen
Riege internationaler Unternehmen, darunter Nintendo, Xbox, Ubisoft,
Electronic Arts, Capcom, Bandai Namco, SEGA, CD Projekt RED, Krafton,
HoYoverse, NetEase, Tencent, Deep Silver und The LEGO Group. Die eigentliche
Aussagekraft dieses Line-ups liegt jedoch weniger in der schieren Zahl
prominenter Namen als in seiner Heterogenität. Neben klassischen
Publishern und Plattformbetreibern stehen Technologieunternehmen, Medienmarken,
Community-Plattformen, Hardware-Anbieter, Influencer- und Creator-Netzwerke
sowie Unternehmen aus angrenzenden Entertainment-Segmenten. Die gamescom
fungiert damit als eine Art Ökosystem-Messe, auf der die Grenzen
zwischen Spielentwicklung, Distribution, Streaming, Social Media, Hardware,
E-Sport und digitaler Kultur zunehmend durchlässig werden. Für
Besucherinnen und Besucher bedeutet das ein Programm, das kaum noch
in die traditionelle Kategorie „Messe“ passt. Die offizielle
Programmübersicht reicht von Indie- und Retro-Bereichen über
Cosplay und Merchandise bis zu Live-Shows, Creator-Angeboten, dem gamescom
campus und speziellen Community-Formaten.
Die
Opening Night Live als globaler Auftakt
Der mediale Höhepunkt vor
dem eigentlichen Messebeginn dürfte erneut die gamescom Opening
Night Live am Abend des 25. August sein. Moderator und Produzent Geoff
Keighley wird gemeinsam mit Eefje „sjokz“ Depoortere durch
die Show führen, die weltweit im Livestream verfolgt werden kann.
Damit beginnt die gamescom längst nicht mehr erst am Eingang der
Koelnmesse. Ihr eigentlicher Resonanzraum ist global: Wer nicht nach
Köln reisen kann, kann die zentralen Präsentationen, Ankündigungen
und Show-Elemente digital verfolgen. Gerade diese Verschränkung
von physischer Veranstaltung und digitaler Reichweite hat die gamescom
in den vergangenen Jahren zu einer Marke gemacht, deren Wirkung weit
über die Besucherzahlen des Messegeländes hinausreicht. Besondere
Aufmerksamkeit gilt dabei traditionell den Neuankündigungen und
Weltpremieren. Zugleich rückt die gamescom 2026 Indie-Produktionen
stärker ins internationale Rampenlicht. Die gamescom awesome indies
show soll gemeinsam mit IGN weiterentwickelt werden und damit unabhängigen
Studios eine zusätzliche globale Bühne verschaffen. Das ist
kulturindustriell durchaus relevant: Wo große Produktionen inzwischen
mit Budgets operieren, die denen hochkarätiger Filmproduktionen
ähneln, können kleine Studios mit vergleichsweise begrenzten
Ressourcen Spiele entwickeln, die über digitale Vertriebswege ein
weltweites Publikum erreichen.
Wenn
kleine Teams den großen Studios Konkurrenz machen
Gerade die Indie-Szene ist deshalb
einer der interessantesten Seismografen für die Zukunft der Branche.
Der Erfolg unabhängiger Spiele beruht nicht allein auf geringeren
Produktionskosten, sondern auf einer strukturellen Veränderung
des Marktes: Entwicklungswerkzeuge sind zugänglicher geworden,
digitale Distribution hat Marktzutrittsschranken reduziert, und Communities
können bereits während der Entwicklungsphase internationale
Aufmerksamkeit erzeugen. Die gamescom greift diese Entwicklung mit eigenen
Formaten auf. Das Indie-Segment ist dabei nicht bloß eine Nische
neben den großen Marken, sondern ein Gegenmodell zur klassischen
Blockbuster-Ökonomie. Kleine Teams können mit ungewöhnlichen
Spielideen, ästhetischer Eigenständigkeit oder experimentellen
Mechaniken Aufmerksamkeit erzeugen, ohne dafür zwingend über
die finanziellen Ressourcen eines internationalen Publishers verfügen
zu müssen. Dass die gamescom dieser Entwicklung eine prominente
Bühne einräumt, ist daher auch ein wirtschaftliches Statement:
Innovation entsteht nicht ausschließlich in den großen Studios.

©
Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx
Speedrunning
trifft auf gesellschaftliches Engagement
Eine besondere Premiere erlebt
die gamescom 2026 mit gamescom GDQ. Games Done Quick, international
bekannt für seine Speedrun-Veranstaltungen zugunsten gemeinnütziger
Zwecke, kommt erstmals nach Europa und erhält auf der gamescom
eine eigene Bühne. Vom 28. bis 30. August stehen dort täglich
rund zehn Stunden Live-Programm auf dem Plan; parallel werden die Veranstaltungen
über die offiziellen GDQ-Kanäle gestreamt. Die Spendenerlöse
und Sponsoringeinnahmen des gamescom-GDQ-Formats sollen dem Projekt
„Gaming4Democracy“ zugutekommen. Damit wird ein Phänomen
sichtbar, das für die Games-Kultur zunehmend charakteristisch ist:
Gaming ist nicht mehr zwangsläufig eine isolierte Freizeitbeschäftigung,
sondern kann als soziales Organisationsprinzip funktionieren. Communities
bilden sich um Spiele, schaffen eigene Kommunikationsräume, produzieren
Inhalte, veranstalten Wettbewerbe und mobilisieren zugleich beträchtliche
finanzielle Mittel für wohltätige Zwecke. Das Speedrunning
ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel. Was ursprünglich
wie eine hochspezialisierte Form des Spielens erscheinen mag –
das möglichst schnelle Durchspielen eines Titels –, ist inzwischen
eine internationale Community-Kultur mit eigener Expertise, eigenen
Stars und erheblicher medialer Reichweite.
Cosplay, Creator und Community
als zweite Säule
Auch das cosplay village bleibt
ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung. Die gamescom versteht Cosplay
dabei zunehmend als professionelle und kreative Community-Praxis, deren
Rahmenbedingungen sowohl Sicherheitsanforderungen als auch den gestalterischen
Freiraum berücksichtigen müssen. Die Kostümregeln wurden
für 2026 überarbeitet; gleichzeitig wurden die Voraussetzungen
für die Teilnahme vereinfacht. Der große Cosplay-Contest
findet am 29. August statt. Hinzu kommen Creator-Formate, Signings und
die Event Arena, die in diesem Jahr noch stärker als soziale Bühne
konzipiert wird. Die Veranstaltung versucht damit, eine Entwicklung
aufzugreifen, die das Games-Marketing grundlegend verändert hat:
Für viele Fans ist ein Spiel nicht mehr allein das Produkt, sondern
Ausgangspunkt einer Community, deren Mitglieder sich über Streams,
Videos, Memes, Fan-Art, Cosplay und persönliche Begegnungen miteinander
verbinden. Die gamescom wird dadurch selbst zum sozialen Netzwerk –
nur eben eines, dessen wichtigste Schnittstelle nicht der Bildschirm,
sondern das Messegelände ist.
Das gamescom City Festival
macht Köln zur offenen Bühne
Die gamescom endet nicht an den
Toren der Koelnmesse. Während sich auf dem Messegelände alles
um neue Spiele, Hardware, Entwickler, Publisher und die internationale
Games-Wirtschaft dreht, verlagert sich ein Teil des Festivalgeschehens
in die Kölner Innenstadt. Das gamescom City Festival macht die
Stadt selbst zur Bühne und erweitert damit den räumlichen
Radius des größten Games-Events der Welt weit über das
Messegelände hinaus. Im Zentrum steht dabei die Verbindung von
Gaming-Kultur und klassischem Festivalerlebnis: Musik, Live-Entertainment
und urbane Begegnung treffen auf die Atmosphäre der gamescom-Woche.
Damit richtet sich das City Festival nicht ausschließlich an das
bereits akkreditierte oder ticketbesitzende gamescom-Publikum, sondern
öffnet die Veranstaltung gewissermaßen in Richtung der gesamten
Stadtgesellschaft. Köln wird so nicht nur zum Austragungsort, sondern
selbst zum Bestandteil des Events. Gerade diese räumliche Öffnung
besitzt ihren eigenen Reiz. Wo auf dem Messegelände die Games-Branche
in ihrer ganzen ökonomischen und technologischen Komplexität
auftritt, entsteht in der Innenstadt eine niedrigschwelligere, stärker
kulturell geprägte Verlängerung des Festivals. Die Grenzen
zwischen Messe, Konzertveranstaltung und Stadtfest werden dabei bewusst
durchlässig: Gaming wird nicht allein als Produkt oder Wirtschaftszweig
inszeniert, sondern als Teil einer Pop- und Jugendkultur, die längst
in Musik, Social Media, Creator-Kultur, Cosplay und digitale Communities
hineinwirkt. Das City Festival erfüllt damit auch eine wichtige
kommunikative Funktion. Die gamescom ist zwar ein internationales Ereignis,
ihre sichtbarste physische Heimat bleibt jedoch Köln. Wenn die
Veranstaltung ihre Strahlkraft in die Innenstadt trägt, profitieren
davon nicht nur Fans und Veranstalter, sondern auch die Stadt selbst:
Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und Kulturbetriebe werden Teil
eines Besucheraufkommens, das die gamescom längst zu einem bedeutenden
Faktor für den Kölner Veranstaltungs- und Tourismusstandort
gemacht hat. So entsteht während der gamescom-Woche ein bemerkenswertes
Nebeneinander: Auf dem Messegelände diskutieren Entwickler über
künstliche Intelligenz, Game Design und die Zukunft der Branche,
Unternehmen präsentieren ihre nächsten großen Produktionen
und der gamescom congress widmet sich den gesellschaftlichen Potenzialen
von Games; gleichzeitig verwandelt sich die Innenstadt in einen öffentlichen
Resonanzraum für die Kultur des Spielens und ihrer Communities.
Das gamescom City Festival ist damit weit mehr als ein ergänzendes
Rahmenprogramm. Es verkörpert einen Grundgedanken der gesamten
gamescom: Games sollen nicht in einer abgeschlossenen Messewelt stattfinden,
sondern als kulturelles Phänomen mitten in der Gesellschaft sichtbar
werden. Und während sich die internationale Branche in den Hallen
der Koelnmesse mit der Zukunft des Mediums beschäftigt, kann Köln
auf seinen Straßen erleben, wie gegenwärtig und lebendig
diese Games-Kultur bereits ist.
gamescom dev: Wo die Zukunft
entwickelt wird
Noch bevor sich die Hallen für
das breite Publikum füllen, richtet sich der Blick bei der gamescom
dev auf diejenigen, die Spiele entwickeln. Die offizielle Entwicklerkonferenz
findet vom 23. bis 25. August statt; die eigentlichen Konferenztage
sind der 24. und 25. August. Veranstaltungsort ist das Confex der Koelnmesse.
Die gamescom dev ist aus der früheren devcom hervorgegangen, die
2017 erstmals veranstaltet wurde und sich in der Folge zu einem der
wichtigsten europäischen Treffpunkte für Entwicklerinnen und
Entwickler entwickelte. Die Umbenennung im Jahr 2025 verdeutlichte die
inzwischen enge institutionelle Verbindung zur gamescom. Inhaltlich
ist das Format deutlich stärker auf die professionelle Entwicklungspraxis
zugeschnitten als die eigentliche Publikumsmesse. Für 2026 sind
rund 220 Sessions mit etwa 390 Sprecherinnen und Sprechern angekündigt.
Auf dem Programm stehen Keynotes, Vorträge, Panels, Roundtables
und Workshops; ergänzt wird das Konferenzprogramm durch eine Business
Expo, Matchmaking-Angebote, Side Events und eine Indie-Ausstellung.
Damit wird ein Bereich sichtbar, der für das Publikum der gamescom
häufig hinter spektakulären Trailern und großen Messeständen
verschwindet: die eigentliche Arbeit hinter einem Spiel. Fragen nach
Game Design, Produktion, Technologie, Führung, Geschäftsmodellen
und beruflicher Entwicklung sind für die Branche mindestens ebenso
entscheidend wie die Präsentation eines neuen Blockbusters. Bemerkenswert
ist auch die zunehmende Professionalisierung des Formats. Mit dem Leadership
Summit richtet sich ein eigener Bereich an Gründer, Studioleitungen
und Führungskräfte. Die gamescom dev versteht sich somit nicht
lediglich als Konferenz zur Wissensvermittlung, sondern als Ort für
strategischen Austausch, Geschäftsanbahnung und internationale
Vernetzung.

©
Koelnmesse GmbH, Hanne Engwald
gamescom
congress: Wenn Games zur gesellschaftlichen Frage
werden
Noch
einmal eine andere Perspektive eröffnet der gamescom congress,
der am 27. August im Confex stattfindet. Er versteht sich als europäische
Leitkonferenz zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Potenzialen
von Computerspielen und Game-Technologien. Dass der Kongress 2026 besondere
politische Aufmerksamkeit erhält, ist kein Zufall. Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier wird den gamescom congress eröffnen und
sich anschließend mit der Rolle von Games im gesellschaftlichen
und politischen Kontext beschäftigen. Nach Angaben der Veranstalter
ist er der erste deutsche Bundespräsident, der die gamescom besucht.
Inhaltlich konzentriert sich der Kongress auf zwei große Themenfelder:
„Spielfeld Demokratie“ und „Der Games-Effekt“.
Im ersten Komplex geht es um die Frage, wie Spiele und spielerische
Technologien politische Bildung, gesellschaftliche Teilhabe, Medienkompetenz
und demokratische Resilienz unterstützen können. Der zweite
Schwerpunkt nimmt den Transfer von Game-Technologien in andere Bereiche
in den Blick – etwa Gesundheit, Bildung, Wirtschaft, Verwaltung
oder Forschung. Damit verlässt der gamescom congress bewusst die
vertraute Komfortzone der Games-Branche. Es geht nicht primär darum,
welches Spiel als Nächstes erscheint, sondern darum, was aus der
technologischen und kulturellen Kompetenz einer Industrie entstehen
kann, deren Methoden längst in andere gesellschaftliche Felder
hineinwirken. Dass unter den angekündigten Programmpunkten Beiträge
beziehungsweise Diskussionen mit Akteuren wie den Vereinten Nationen,
dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und Europol stehen, illustriert
diese Erweiterung des Blickwinkels. Games werden damit nicht mehr lediglich
als Unterhaltungsmedium behandelt, sondern als Bestandteil einer größeren
digitalen Gesellschaft.
Politik
entdeckt die strategische Bedeutung von Games
Die
politische Präsenz auf der gamescom 2026 dürfte entsprechend
ungewöhnlich hoch ausfallen. Neben Steinmeiers Besuch sind für
die politische Eröffnung unter anderem EU-Kommissionsvizepräsidentin
Henna Virkkunen, Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil,
Bundesforschungs- und Games-Ministerin Dorothee Bär sowie Nordrhein-Westfalens
Ministerpräsident Hendrik Wüst angekündigt. Im Mittelpunkt
stehen dabei Fragen nach der internationalen Wettbewerbsfähigkeit
der europäischen und insbesondere der deutschen Games-Industrie,
nach den Rahmenbedingungen für Studios und Publisher sowie nach
dem politischen und gesellschaftlichen Potenzial von Spielen. Diese
Entwicklung ist insofern bemerkenswert, als Games lange Zeit eher als
medienpolitisches Randthema behandelt wurden. Inzwischen sind sie ein
Wirtschaftsfaktor, ein Kulturgut, ein Technologie- und Innovationsfeld
und – angesichts der Reichweite digitaler Communities –
zunehmend auch ein gesellschaftspolitischer Faktor. Die gamescom bildet
diesen Bedeutungszuwachs ab wie kaum eine andere Veranstaltung. Dass
Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker zwischen Messeständen,
Entwickler-konferenzen und politischen Panels auftreten, ist deshalb
mehr als symbolische Folklore: Es zeigt, dass die Games-Branche inzwischen
dort angekommen ist, wo industrie-, innovations- und gesellschaftspolitische
Entscheidungen getroffen werden.
„Spielend
die Welt retten“ – mehr als ein Marketingmotiv
Zu
den auffälligsten thematischen Linien der diesjährigen gamescom
gehört der Gedanke, dass die Gaming-Community gesellschaftliche
Verantwortung übernehmen kann. Charity-Streams, Speedrunning-Veranstaltungen
und andere Community-Aktionen haben in den vergangenen Jahren gezeigt,
dass digitale Subkulturen erhebliche Ressourcen für gemeinnützige
Zwecke mobilisieren können. Die gamescom macht daraus einen eigenen
Trend: „Spielend die Welt retten“. Der Begriff mag zunächst
plakativ wirken, verweist jedoch auf eine reale Entwicklung. Wo Millionen
Menschen in digitalen Räumen miteinander kommunizieren und gemeinsame
Interessen teilen, entsteht ein soziales Kapital, das sich unter bestimmten
Voraussetzungen auch außerhalb des Spiels mobilisieren lässt.
Games sind damit weder automatisch gesellschaftlich progressiv noch
per se ein Instrument demokratischer Bildung. Ihre Bedeutung liegt vielmehr
in ihrer Fähigkeit, Menschen zu erreichen, zu motivieren und miteinander
zu vernetzen. Entscheidend ist, was Institutionen, Entwickler, Plattformen
und Communities aus diesem Potenzial machen.
Die
gamescom als Spiegel einer Branche im Wandel
Die
besondere Stärke der gamescom 2026 liegt letztlich darin, dass
sie diese unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig sichtbar macht. In den
Messehallen geht es um neue Spiele und Hardware, auf der gamescom dev
um Produktionsmethoden und Technologie, im Business-Bereich um Investitionen
und Partnerschaften, beim gamescom congress um gesellschaftliche Wirkungen
und politische Fragen. Diese Vielschichtigkeit erklärt auch, weshalb
die Veranstaltung für die Games-Branche inzwischen eine Funktion
erfüllt, die klassische Messen nur noch selten besitzen. Sie ist
Marktplatz, Festival, Konferenz, Medienereignis und Community-Treffpunkt
zugleich. Das zeigt sich auch an der internationalen Reichweite. Neben
der Kölner Veranstaltung existieren inzwischen gamescom-Ausgaben
in São Paulo und Bangkok; die Marke wird damit zunehmend zu einer
globalen Plattform für unterschiedliche regionale Games-Märkte.
Für Köln bedeutet das einen erheblichen Standortvorteil. Die
Stadt wird Ende August erneut zur physischen Schnittstelle eines globalen
Netzwerks, dessen eigentliche Ausdehnung weit über die Messehallen
hinausreicht.
Ein
Messegelände als Zukunftslabor
Wenn
am 25. August die Opening Night Live die ersten großen Ankündigungen
präsentiert und am folgenden Morgen die Messehallen ihre Tore öffnen,
wird die gamescom 2026 deshalb nicht einfach eine weitere Ausgabe eines
erfolgreichen Events sein. Sie wird zum Gradmesser dafür, wie eine
Branche auf einen tiefgreifenden technologischen und gesellschaftlichen
Wandel reagiert. Die vollständig ausgebuchte Ausstellungsfläche
signalisiert zunächst wirtschaftliche Vitalität. Die stärkere
Einbindung unabhängiger Studios verweist auf eine zunehmend diversifizierte
Produktionslandschaft. gamescom GDQ illustriert die soziale Kraft internationaler
Communities. gamescom dev rückt die Menschen und Technologien hinter
den Spielen in den Mittelpunkt. Und der gamescom congress macht deutlich,
dass Games längst Gegenstand ernsthafter Debatten über Demokratie,
Bildung, Wirtschaft und Digitalisierung sind. Vielleicht liegt genau
darin die eigentliche Bedeutung des diesjährigen Leitmotivs. „Lust
auf Zukunft“ ist bei der gamescom weniger eine abstrakte Zukunftsbegeisterung
als eine praktische Haltung: Neue Technologien werden ausprobiert, Geschäftsmodelle
getestet, Spiele entwickelt, Communities organisiert und gesellschaftliche
Anwendungen diskutiert. Köln wird damit für einige Tage zu
einem ungewöhnlich verdichteten Zukunftslabor – einem Ort,
an dem sich beobachten lässt, welche Ideen die Games-Branche heute
entwickelt und welche davon morgen weit über das eigentliche Spielen
hinauswirken könnten. Die gamescom 2026 beginnt offiziell am 26.
August und läuft bis zum 30. August. Ihre Woche beginnt jedoch
bereits am 23. August mit der gamescom dev und erreicht am 25. August
mit der Opening Night Live ihren ersten globalen Höhepunkt. Am
27. August folgt mit dem gamescom congress ein politisch und gesellschaftlich
besonders aufgeladener Konferenztag. Damit ist die Veranstaltung längst
nicht mehr nur eine Messe, auf der man kommende Spiele ausprobieren
kann. Sie ist eine Momentaufnahme einer Industrie, die sich selbst immer
wieder neu erfinden muss – und die in Köln einmal mehr zeigen
will, dass ihre vielleicht wichtigste Ressource nicht allein Rechenleistung,
Kapital oder Technologie ist, sondern die Fähigkeit, Menschen für
das Kommende zu begeistern.
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